Freitag, 28. November 2014

Japans Wirtschaft im Krebsgang

Japan hat ein Problem mit der Demographie. Aber die schrumpfende Erwerbsbevölkerung ist nicht das einzige, was die japanische Wirtschaft bremst. Das Hoffen darauf, dass steigende Produktivität den Rückgang der Arbeitskräfte ausgleichen könnte, scheint verfehlt.

In den vergangenen 25 Jahren stieg die Produktivität längst nicht schnell genug, um die Effekte der Alterung aufzufangen. Wie ein Blick auf die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) pro Kopf verdeutlicht:


Quelle: IWF World Economic Outlook Oktober 2014
Gross domestic product per capita in current prices and national currency

Bezogen auf den einzelnen Japaner ist die Wirtschaftskraft in Landeswährung seit 1990 um magere sechs Prozent gewachsen. Nicht pro Jahr wohlgemerkt, sondern in dem gesamten Zeitraum! In den Vereinigten Staaten lag die BIP-Steigerung pro Kopf in diesem Vierteljahrhundert bei 124 Prozent, in Deutschland bei 118 Prozent.

Verblüffend übrigens, dass keine etablierte Industrienation ein so starkes Pro-Kopf-Wachstum hatte wie Großbritannien. Die hohen deutschen Zahlen relativieren sich dadurch etwas, dass es in den Neuen Bundesländern ein hohes Aufholpotenzial zum westlichen Standard gab.

Für Japan ist die Entwicklung selbst dann kaum ermutigender, wenn man die starke Yen-Aufwertung seit Anfang der Neunzigerjahre (also die Kaufkraftstärkung der Einwohner auf dem Weltmarkt) einkalkuliert. In Dollar gerechnet bleibt das Wachstum pro Kopf deutlich hinter dem anderer Industriestaaten zurück.


Quelle: IWF World Economic Outlook Oktober 2014

Unter dem Strich bedeutet das, dass auf jedem Japaner eine immer größere Schuldenbürde lastet. Die ökonomische Dynamik scheint bei weitem nicht groß genug, um den immer gewaltigeren Berg von Verbindlichkeiten durch Wachstum undoder Inflation abzutragen.


Japan hat die höchste Pro-Kopf-Staatsverschuldung der Welt
Quelle: IWF

Seit 1980 hat sich die Pro-Kopf-Verschuldung allein über die staatlichen Verbindlichkeiten von gut einer Million Yen auf jetzt nahezu zehn Millionen Yen erhöht. Keine guten Aussichten für ein Land, dessen Einwohnerzahl sinkt, ohne dass eine steigende Produktivität den Verlust an Arbeitskräften ausgleichen könnte



Quelle: IWF


Angesichts dieser Zahlen scheint die Monetisierung der Schulden (also der Aufkauf von Staatstiteln durch die Notenbank) die am wenigsten schmerzliche Lösung zu sein


1 Kommentar:

  1. Irgendwas anderes erwartet, wenn Abenomics die Sparrate der Haushalte steigern soll?
    mehr Sparen weniger BIP Wachstum pro Kopf
    Michael Pettis,
    http://snbchf.com/balance-sheet-recession/abenomics-savings/

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