Donnerstag, 6. November 2014

Biggest money printer of all time?

Ist Mario Draghi der größte Moneyprinter aller Zeiten? Dieser Ruf hängt dem Italiener an und wird in Deutschland wohl für immer an ihm kleben bleiben. Doch manchmal kann es sich lohnen, am Image einer Person vorbei auf die Zahlen zu schielen.

Draghi steht jetzt drei Jahre an der Spitze der Europäischen Zentralbank. Seit seinem Amtsantritt am 1. November 2011 hatte er genug Gelegenheit, die Notenpressen ordentlich rotieren zu lassen. Doch so ordentlich rotierten sie gar nicht. Die Geldmenge M0, auf die die EZB direkten Einfluss hat, stagnierte per saldo.


Unter Draghi stieg die Notenbankgeldmenge M0 (rote Linie) zunächst deutlich an, um danach zurückzugehen. Die Geldmenge M2 (weiße Linie) wurde weniger stark ausgeweitet als in anderen Wirtschaftsräumen
Quelle: Bloomberg
Auch die anderen Messziffern für das Geldangebot sind nicht gerade frenetisch hochgeschnellt. Die Geldmenge M2 (definiert als Bargeld plus Geld auf Sparbüchern und Girokonten plus Bankeinlagen mit Laufzeiten von bis zu zwei Jahren) stieg unter Draghi um insgesamt 10,7 Prozent oder 3,5 Prozent per annum.

Klingt nicht nach dramatisch viel. Ist es auch nicht.

Um die Zahlen einzuordnen, kann man sie mit dem vergleichen, was in der selben Zeitspanne in anderen großen Wirtschaftsräumen passiert ist.

In den USA hat M2 seit November 2011 fast doppelt so stark zugelegt wie in der Eurozone, nämlich um 20,1 Prozent oder 6,5 Prozent jährlich. Die Schweizer Geldmenge blähte sich in den drei Jahren sogar um beachtliche 22,7 Prozent auf, die britische im Übrigen um rund 17 Prozent.

Noch erhellender ist ein Blick auf die glorreichen Zeiten der Bundesbank: Die unabhängige deutsche Zentralbank hat in Relation zur Größe der deutschen Volkswirtschaft zeitweise mehr Liquidität entstehen lassen als Draghis EZB.


So stark nahm M2 unter der Bundesbank zu, hier der Zeitraum von 1969 bis 1998
Quelle: FRED


Im Dreijahreszeitraum von 1996 bis 1998 wuchs M2 in Deutschland zum Beispiel um 14 Prozent, nicht so stark wie heute die Geldmenge in den Vereinigten Staaten und der Schweiz, aber stärker als aktuell in Euroland. Auch über einen längeren Zeitraum war die Zunahme beachtlich (siehe Grafik).

Sollten die deutschen Zentralbanker etwa schlimmere Gelddrucker gewesen sein als Mario Draghi?

Indem ich das schreibe, will ich nicht sagen, dass die Politik der EZB keine Gefahren birgt. Sie birgt Gefahren. Nur ist sie, was Moneyprinting angeht, keineswegs ein radikaler Bruch mit der Tradition der stolzen Bundesbank

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen