Mittwoch, 12. November 2014

Diener zweier Herren

Stimmen die Schweizer am 30. November für die Goldinitiative, haben die Schweizer Notenbanker ein Problem. 

Die Forderungen der Initiative zerstören die Grundlagen der bisherigen Interventionspolitik, die den Kurs der Landeswährung bei 1,20 Franken zum Euro fixiert und die Schweiz de facto zum Mitglied der europäischen Währungsunion gemacht hat. 

Wenn sich der Gold-Anteil an der Notenbankbilanz in den vergangenen Jahren so sehr reduziert hat, rührt das nicht allein von Gold-Verkäufen (die letzten liegen schon sechs Jahre zurück), sondern von der Aufblähung der Bilanz als Folge der "Mindestkurs"-Politik. Durch den Kauf von Wertpapieren, ein Großteil davon Euro-Titel, ist die SNB-Bilanz auf 522 Milliarden Franken angeschwollen


Schon jetzt testen Devisenspekulanten die Bereitschaft der Schweizerischen Nationalbank, den "Mindestkurs" zu verteidigen
Quelle: www.welt.de


Für den Rückgang des Goldanteils waren von 2000 bis 2008 umfangreiche Goldverkäufe der SNB verantwortlich. Seither liegt der Bestand bei 1040 Tonnen. Doch die Bilanzsumme bläht sich immer weiter auf.
Quelle: DZ Bank




Will die SNB den Mindestkurs von 1,20 Franken zum Euro verteidigen, ist es wahrscheinlich, dass sie weiter Euro-Titel kaufen wird. Mit einer angenommenen Goldinitiative bedeutet das, dass die Nationalbanker gleichzeitig ihre Edelmetall-Bestände mit aufstocken müssen - was den Franken potenziell zu einer noch härteren und attraktiveren Währung macht.

Die SNB müsste gleichsam zwei Herren dienen: Der Golddeckung von 20 Prozent und der De-facto-Kopplung der Landeswährung an den Euro zum Kurs von 1,20 Franken.

Die Eidgenossen sind dann in einem ähnlichen Dilemma wie die Notenbanken zur Zeit des Gold-Devisenstandards Ende der Zwanziger-, Anfang der Dreißigerjahre. Edelmetall-Deckung der Geldmenge und feste Wechselkurse mussten unter einen Hut gebracht werden. Auch das Triffin-Dilemma des Bretton-Woods-Systems lässt grüßen.

Theoretisch hat die SNB auch nach einem Ja weitere Optionen: Sie kann den Franken zum Beispiel unattraktiv machen, indem sie Bankeinlagen mit (hohen) Negativzinsen belegt. Oder sie kann Devisenkontrollen einführen. Das würde indessen den Ruf der Schweiz als Bankenstandort schädigen. 

Und mit freien Kapitalmärkten hat das nicht mehr viel zu tun. 

Sie könnte auch eine Aufwertung auf 1,10 Franken oder Parität oder was auch immer zulassen. Das wiederum würde die Glaubwürdigkeit der SNB beschädigen und darüber hinaus die Schweiz als Produktionsstandort schwer belasten. 

Nur eines scheint auf Dauer schwer vorstellbar: Eine 20 Prozent Gold-Deckung plus Mindestkurs von 1,20 plus freier Kapitalverkehr. Zwei Herren mag man dienen können, aber bei dreien wird's schwierig






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