Dienstag, 11. November 2014

Deutscher Finanzidealismus

Ungläubiges Staunen. Reklamationen von Lesern, kritische Nachfragen von Kollegen. Aber die Zahl stimmt. Kein Druckfehler. Vierzehn Milliarden. Das ist die Summe, die der deutsche Einlagensicherungsfonds einem beliebigen Kunden der Deutschen Bank garantiert. Auch für andere hier ansässige Geldhäuser betragen die Sicherungsgrenzen im Fall der Bank-Pleite mehrere hundert Millionen oder gar Milliarden Euro. 

Absurde Größenordnungen, wenn man sich vorstellt, dass es in der Bundesrepublik 100 Millionen Bankkonten gibt, aber nur auf drei Prozent davon ein Guthaben von mehr als 100.000 Euro liegt. 

Das Statut des Einlagensicherungsfonds sieht es so vor: 30 Prozent des Eigenkapitals pro Kunde sind sicher. Der Fonds stammt aus einer Zeit, in der die Geldhäuser sehr viel kleiner waren, aus den Siebzigern. Man hat schlicht vergessen, seine Versprechungen an die Realität der globalen Riesenbanken anzupassen. Um ein wenig erdnäher zu werden, soll die Sicherungsgrenze bis 2025 auf 8,75 Prozent abgesenkt werden. 



Nur Bares ist Wahres, wenn ... In einer systemischen Bankenkrise, die mehr als ein Institut zu Fall bringt,
sollte niemand auf den Einlagensicherungsfonds der Banken hoffen
Foto: Daniel Eckert


Heute sind die exorbitanten Garantien den Banken offenbar peinlich. Die Deutsche nennt auf Nachfrage nicht einmal die Zahl ihrer Privatkunden in Deutschland. Noch zugeknöpfter werden die Banken, wenn es Volumen des Fonds geht. Keine offizielle Auskunft. Dem Vernehmen nach sollen es fünf oder sechs Milliarden sein, insgesamt. Doch nichts Genaues sagt man nicht. 

Ich muss schmunzeln und denke mir: Eine Einlagensicherung, die dem einzelnen Kunden bis zu 14 Milliarden Euro garantiert, kann wohl nur im Mutterland des Idealismus ersonnen werden

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