Montag, 10. November 2014

Schweiz - Heimliches Mitglied der Eurozone

Vor einiger Zeit wies ich an dieser Stelle darauf hin, dass die EZB unter Mario Draghi weniger Geld "gedruckt" hat als andere große Notenbanken. Eine Sache habe ich dabei unterschlagen, etwas fast schon Pikantes: Draghi kann sich diese Zurückhaltung vermutlich nur deshalb leisten, weil er eine heimliche Helferin hat.

Die Eurozone hat ein inoffizielles Mitglied und die EZB eine inoffizielle Außenstelle, die den Job des Gelddruckens zum Gutteil übernimmt.

Die Rede ist von der Schweiz und der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Wo sich Frankfurt in Zurückhaltung übt, langt Bern umso kräftiger zu. Die SNB "druckt Geld" und pumpt es in die Märkte. Keine andere Zentralbank hat in den vergangenen Jahren so viele Euro-Papiere gekauft und ihre Bilanzsumme damit auf eine solche Größe aufgebläht wie die SNB.

Das Ganze mit dem Ziel, den Wechselkurs bei ungefähr 1,20 Franken zum Euro zu fixieren. Das ist gut für die eidgenössische Industrie, der eine noch stärkere Heimatwährung weh tun würde. Zugleich ist die Schweiz damit aber de facto Teil der Währungsunion geworden.

Um den "Mindestkurs" zu verteidigen, also die Gemeinschaftswährung auf dem Niveau von 1,20 Franken zu halten, müssen die Eidgenossen Euro-Schuldtitel für zig Milliarden kaufen.

Diese Wertpapierkäufe haben die SNB-Bilanzsumme auf aktuell 522 Milliarden Franken anwachsen lassen. Das entspricht mehr als 80 Prozent der schweizerischen Wirtschaftsleistung. Mit einer so monströsen Bilanz liegt die SNB weit vor anderen Notenbanken. Zum Vergleich: Die Federal Reserve bringt es auf den Gegenwert von nur 27 Prozent des US-Bruttoinlandsprodukts.


Seit dem Jahr 2007 hat die SNB ihre Bilanzsumme durch Markteingriffe verfünffacht.
Rund 45 Prozent der Aktiva entfallen auf Euro-Papiere
Quelle: Bloomberg


An und für sich ist gegen eine solche Amtshilfe unter Notenbanken nichts zu sagen. In dem Fall ist sie deshalb pikant, weil sich viele Schweizer gern als das "andere Europa" sehen, das vieles besser macht als die Währungsunion. Derweil liegt die Schweiz nicht nur geografisch mitten in der Eurozone


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen