Samstag, 18. Oktober 2014

Monster der Märkte

Zuletzt haben Kollegen von mir die Finanzmärkte im vermeintlichen Größten Crash aller Zeiten als "Monster" und "Ungeheuer" bezeichnet. Sie zitierten damit (und das muss ich zu ihrer Entschuldigung einräumen) den früheren Bundespräsidenten Horst Köhler, der schon in der Krise von 2008 gewarnt hatte, das "Monster" der Märkte müsse in die Schranken gewiesen werden.

Ich denke aber nicht, dass wir die Börse ein Ungeheuer nennen sollten, und zwar unabhängig davon, ob der Dax nächste Woche steigt oder stürzt. Finanzmärkte sind bei allen Fehlentwicklungen und Übertreibungen ein Ort des Zusammentreffens. Sie sind an sich weder gut noch schlecht, und schon gar nicht böse. Diese moralische Kategorie ist deplaciert.

Auch wenn sie uns im wütenden Gebrüll des Kurssturzes ängstigen, sind sie kein Übel.

An der Börse treffen Leute mit Ideen auf Leute mit Geld, Menschen mit Mut auf Menschen mit Wut, Optimisten auf Pessimisten, Dumme auf Kluge (zuweilen sehr viele Dumme auf sehr wenige Kluge), Sparer auf Spekulanten, kaltblütige Rechner auf heißblütige Hasardeure und, ja, manchmal auch Engel auf Monster.

Übel ist das nur, wenn wir falsche Erwartungen propagieren, wenn wir die Börse zu etwas verzerren, was sie nicht ist. Wir können uns wünschen, dass es am Markt immer ruhig und gesittet zugeht, aber das ist ebenso unrealistisch wie zu fordern, dass wir auf dem Meer immer spiegelglatte See haben.

Die Börse als Ungeheuer zu bezeichnen, ist in etwa so wie die Ozeane zu dämonisieren, die den Welthandel ermöglichen, gelegentlich aber auch im Sturm ein Schiff versenken. Gewiss könnten wir auf den riskanten Überseehandel verzichten, mehr Wohlstand würde es uns wohl kaum bringen. Im Gegenteil. Die Welt enger machen würde es obendrein. Wo wären wir ohne Austauch von Gütern und Ideen?

Verluste tun weh. Und Angst vor weiteren Verlusten lähmt. Wir müssen lernen, mit den Märkten umzugehen, wie wir gelernt haben, immer sicherere Schiffe zu bauen. Dieses "wir" umschließt Banken und Versicherungen. Auch sie sind Teil der lernenden Spezies Mensch.

Dämonisierung aber führt nicht weiter. Sie ist das Gegenteil von Aufklärung. Wer trotzdem meint, die Börse sei ein "Monster", sollte sich an den gleichnamigen Song halten:

"Sie hat den Monster Body mit dem Monsterblick
und ihr Mosterboom boom gibt mir denn Kick,
sie ist ein Monster, Monster
Sie macht mir Angst, doch ich weiß wie sie tickt
Sie ist ein Monster, Monster
Sie macht mir Angst, doch ich weiß was ich will"


1 Kommentar:

  1. Willkommen in der Blogger-Welt, Tiefseher!
    Freue mich auf weitere Beiträge...

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