Donnerstag, 30. Oktober 2014

Geld(h)auswerfer

Wer im Geldhaus sitzt, sollte nicht mit Strukturreformen um sich werfen

Kleinsparer ganz groß

Die Enteignung des deutschen Kleinsparers ist da! Draghis Zinsknüppel geht auf die arme Bundessparoma nieder! So oder so ähnlich lauten derzeit die Schlagzeilen. Anlass: Die Deutsche Skatbank erhebt als erstes deutsches Institut negative Zinsen auf Bankguthaben. Bisher trafen negative Einlagenzinsen nur Geldhäuser am Geldmarkt. Schlimm, oder?
Auch hier lohnt das Lesen des Kleingedruckten, betroffen sind bei der Skatbank nur Guthaben ab 500.000 Euro. Oder waren's 3.000.000 Euro? Fach- und Qualitätspresse sind sich da nicht ganz einig. Jetzt habe ich ja ein Herz für Multimillionäre.
Aber hier geht es wohl weniger um Kleinsparer als um Großsparer (bei einer Kleinbank). Und wer Millionen auf's Sparbuch packt, der hat - mit oder ohne "Strafzins" - die falsche Anlagestrategie.
Übrigens dürfen auch Nichtdeutsche bei deutschen Banken Geld aufs Konto legen.
Manchmal ist ein Attribut einfach falsch

Freitag, 24. Oktober 2014

Kein Herz für Keynes

No. No. No. Das wird nichts mehr mit dem Keynesianismus in Deutschland. Nur 34 Prozent der Bundesbürger sind dafür, bei geringerem Wirtschaftswachstum mehr Schulden zu machen, etwa für höhere Staatsausgaben. Ganze 62 Prozent sprechen sich dagegen aus. Die Ablehnung zieht sich durch alle politischen Lager. Auch die Anhänger der SPD sind mehrheitlich dagegen. Da würde nicht nur Lord Keynes, sondern auch Helmut Schmidt den Kopf schütteln (Quelle: ZDF Politbarometer vom 24.10.14) 



Ein lächelnder John Maynard Keynes in den Vierzigerjahren des 20. Jahrhunderts
Foto: IWF

Dem Goldstandard so nah

Von allen Nationen haben die Schweizer die besten Aussichten, ihre Währung wieder ans Gold zu binden. Theoretisch. Die Edelmetall-Bestände, die die Schweizerische Nationalbank (SNB) offiziell ausweist, entsprechen 6,6 Prozent der eidgenössischen Wirtschaftsleistung. Die mittlere Geldmenge M2 ist zu immerhin 4,4 Prozent durch Gold gedeckt.

Was diese Kennziffer angeht, stehen bei den großen Volkswirtschaften nur die Russen besser da, ihr Finanzsektor spielt eine weniger große Rolle. Der russische Bär weiß seine Geldmenge zu sechs Prozent durch das gelbe Metall unterfüttert. Gemessen an den stattlichen Währungsreserven sehen allerdings beide nicht besonders gut aus, weder Russland noch die Schweiz.




Quelle: IWF, World Gold Council


Das wollen die Initiatoren der Gold-Initiative in der Eidgenossenschaft ändern. Die Deckung der Aktiva soll wieder auf 20 Prozent nach oben getrieben wären. Kommen sie damit durch – erste Umfragen deuten auf ein knappes Rennen am 30. November –, sind das gute Nachrichten für den Goldpreis. 

Es stellt sich nur die Frage: Was soll eine Franken-Unterlegung mit Edelmetall, wenn die SNB die Schweizer Währung de facto an den Euro gekoppelt hat, und der ist bekanntlich nicht Gold-unterlegt?

Da kann man, Zahlenspiele hin oder her, schon mal die Sinnfrage stellen

Donnerstag, 23. Oktober 2014

Das Schlimmste an der Börse

An der Börse musst du immer auf das Schlimmste gefasst sein, selbst darauf, dass das Schlimmste nicht eintritt

GröWiKaZ-Rally

Es ist genau eine Woche her, da wurde an der Börse (und vor allem in den Medien) etwas gespielt, das ich seither die GröWiKaZ oder bei Twitter #GröWiKraZ nenne: die größte Wirtschaftskrise aller Zeiten.

Seither ist der Dax um 700 Punkte gestiegen. In fünf Handelstagen. Hat man auch nicht alle Tage. Eine Woche später bin ich fast geneigt, von einer GröWiKaZ-Rally zu reden.


Quelle: Bloomberg

Nun will ich nicht behaupten, dass es nicht zu einem Crash kommen könnte. "Da draußen" in der Weltwirtschaft gibt es genug Dinge, die nicht rund laufen. Und bei uns in Deutschland, wo die Grokosse sprießen, ist auch nicht alles eitel Sonnenschein.

Außerdem darf man nie die Dummheit der Menschen unterschätzen. Der größte Störfall ist der Manager, vor allem der Krisen-Manager.

Also alles für die GröWiKaZ? Erstmal ja. Der Crash wird kommen, und er wird fürchterlich sein. Spätestens in fünf Milliarden Jahren. Aus physikalisch-kosmischen Gründen. Soviel vorab: Das wird eine ganz heiße Nummer.

Nur eines muss man nicht: Sich permanent die Laune verderben lassen. Und aus jedem süßen Gröwikätzchen the worst GröWiKaZ ever machen

Für Ulli

"Verkauf alles und renn um dein Leben!"

Albert Edwards von der Société Générale ist für seine stets optimistische Sicht der Dinge bekannt (iron.). Derzeit alarmieren den "Permabear" von London die sinkenden Devisenreserven Chinas. Der Rekordrückgang von 100 Milliarden Dollar im dritten Quartal künde vom Verfall der chinesischen Wettbewerbsfähigkeit und komme von der Wirkung her einer Kreditklemme gleich. Am meisten überrascht Edwards nach eigener Aussage, dass kaum jemand von dem Einbruch Kenntnis genommen hat. Anlegern rät er: "Verkauf alles und renn um dein Leben!"


Quelle: Société Générale

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Kryptowährungen - Bunte Vielfalt

Da sage noch einer, es gebe keinen Währungswettbewerb! Die Seite coinmarketcap.com verzeichnet 542 verschiedene digitale Währungen. Wobei jedoch gut 90 Prozent der Marktkapitalisierung auf den Bitcoin entfallen. 

Das derzeit zweitwichtigste digitale Geld, Ripple, bringt es nur auf drei Prozent der Kapitalisierung. Insgesamt sind alle Kryptowährungen zusammen im Oktober 2014 rund 5,7 Milliarden Dollar oder umgerechnet 4,5 Milliarden Euro wert. Das vergleicht sich mit einer US-Geldmenge M2 (Dollar auf den Bankkonten) von 11.360 Milliarden Dollar 



Ist das schon der Cyberkrieg?

Ein Tag im Berliner ÖPNV und man könnte auf den Gedanken kommen, dass der geheime Cyber- oder Wasauchimmer-Angriff auf Deutschland längst begonnen hat. Die übliche U-Bahn-Linie verkehrt seit Montag nicht. "Wegen eines Feuerwehreinsatzes" Aha. Im Radio reden sie von Kabelbrand. Auf dem Weg zur S-Bahn: Rolltreppe außer Betrieb. Dauerhaft. U-Bahn-Ersatzlinie auf dem Rückweg bleibt einfach im Bahnhof stehen. Ohne Erklärung. Eine Blechstimme scheucht die Leute aus den Waggons der Gegenrichtung raus. Mit Erklärung: "Türfunktionsstörung". Und das alles in der Woche von Lokführer- und Pilotenstreik. Ach ja, und Google war heute früh auch down.

So kann kein Industriestaat funktionieren!

Verheißung Bitcoin

Vor knapp einem Jahr schrieb ich in der "Welt": Bitcoins sind eine Wette auf alles oder nichts. Bisher hat sich keines der beiden Extremszenarien eingestellt. Der Preis der digitalen Währung ist weder auf 10.000 Euro explodiert, noch auf 0,01 Euro abgestürzt. Ich liebe diese Fähigkeit der Märkte, Prognosen in den Wind zu schlagen!

Kurz nachdem meine Kolumne erschien, haben sich Bitcoins zunächst auf über 800 Euro verteuert, Seither ging es in Wellenbewegungen abwärts. Doch die Verluste sind bisher keineswegs so katastrophal, wie jene prophezeit hatten, die den Bitcoin für eine völlig überflüssige technische Spielerei oder gar Spinnerei halten. Vom "Segway der Währungswelt" die Rede, oder von der Tulpenmanie des 21. Jahrhunderts, die in Tränen enden werde.

Die starken Kursschwankungen sind Realität. Doch ein totaler Kollaps des Bitcoin hat nicht stattgefunden, und das obwohl EZB, Bundesbank und staatliche Finanzaufsicht hätten kaum eindringlicher warnen können. Wer aber kauft und verhindert mit seinen Käufen einen Absturz der Notierungen?



Mein persönlicher Eindruck: Der große Durchbruch des Bitcoin als Zahlungsmittel ist zumindest in Deutschland bisher ausgeblieben. Aus dem Ausland gibt es teils anders lautende Berichte. Coinbase und BitPay führen 75.000 Akzeptanzstellen an, zehnmal so viel wie vor einem Jahr.

Die Zahlungsmittelfunktion mag eine wachsende Rolle spielen. Doch zumindest hierzulande scheinen die digitalen Münzen eher der Spekulation als dem Konsum zu dienen.

Es mag nur ein Zufall sein, dass die digitale Währung vom Hoch genauso viel verloren hat wie Silber. Bitcoins wie Silber notieren heute knapp zwei Drittel niedriger als in ihrer jeweiligen Euphorie. Doch abgesehen von dieser oberflächlichen Parallele haben beide Investments noch eine andere Gemeinsamkeit: Sie sind eine subversive Form von Geld, unabhängig vom staatlich kontrollierten Finanzsystem.

Niemand zahlt mit Silber, und kaum jemand zahlt mit Bitcoin. Aber dennoch haben beide eine Fangemeinde. Eine genügend große Zahl von Menschen ist der Überzeugung, dass es einer Alternative zu Euro, Dollar und anderen Papiergeld-Spielarten bedarf. Diese Alternative verheißt für sie Unabhängigkeit von "fiat money". Für diese Verheißung sind sie bereit, beträchtliche Kursschwankungen in Kauf zu nehmen.

Ebenso wie Silber-Investoren müssen auch Silber-Fans leidensfähig sein. Ich bin mir aber sicher, dass beide nicht verschwinden werden. Denn unser Geldsystem ist weit vom Zustand der Vollkommenheit entfernt, und es gibt gute Gründe, eine Alternative zu suchen

Dienstag, 21. Oktober 2014

Sekt für die Bundeswehr!

Sagt ein Freund zu mir, als wir gerade bei einem Glas Wein sitzen: Die Sektsteuer zur Finanzierung der kaiserlichen Kriegsmarine gibt es noch, die kaiserliche Marine schon lange nicht mehr. Kann man die Steuereinnahmen nicht nutzen, um der Bundeswehr wenigstens vernünftige Hubschrauber zu kaufen? Recht hat er! Prost!

Merkel-Rente

Es gibt in Deutschland nicht nur eine Riester- und eine Rürup-Rente, sondern auch eine Merkel-Steinbrück-Rente: Das sind die aktuell rund 1,9 Billionen Euro, die die Bundesbürger auf ihren 100 Millionen Bankkonten haben. Bei der Bank, glauben die Deutschen, ist das Geld sicher.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr damaliger Finanzminister Peer Steinbrück haben Anfang Oktober 2008 eine Art Bundesgarantie für die Spareinlagen in Deutschland ausgesprochen. Das hat Eindruck gemacht. Mag sein, dass die Spar- und Girokonten sicher sind. Doch werfen sie auch genügend (realen) Ertrag ab, um den Lebensstandard im Alter zu sichern? Daran kann man zweifeln.

Und doch verstehen viele Deutsche die Bundesgarantie als Aufforderung, ihr Erspartes zur Bank zu bringen und dort liegen zu lassen, bis sie es - irgendwann im Alter vielleicht - brauchen. Das Ganze zu Nullzins. Irgendwie klingt die Merkel-Steinbrück-Rente nicht wie eine lukrative Vorsorge-Idee

Montag, 20. Oktober 2014

Fürstenberg und die Sparer

Der Financier Carl Fürstenberg sagte einst: Aktionäre sind dumm und frech. Dumm, weil sie ihr Geld anderen Leuten anvertrauen, und frech, weil sie dafür auch noch Dividende wollen.
Heute müsste es heißen: Sparer sind dumm und frech. Dumm, weil sie Banken ihr Geld anvertrauen. Und frech, wenn sie dafür auch noch Zinsen fordern

Subvention Einlagensicherung

In den Finanzen gibt es eine gigantische Marktverzerrung, die - zu meiner Verwunderung - von kaum einem Ordnungspolitiker infrage gestellt wird. Diese Marktverzerrung führt dazu, dass Bürger einem Unternehmen hohe Geldsummen anvertrauen können, ohne irgendeinen Gedanken an dessen Bonität verschwenden zu müssen. Die Rede ist von der gesetzlichen Einlagensicherung. In der Panik der Finanzkrise wurde sie in der Europäischen Union auf 100.000 Euro ausgeweitet, womit die große Mehrheit aller Konten in der EU abgedeckt ist.

Das löste damals ein konkretes Problem: Es verminderte die Gefahr eines Bankensturms. Langfristig jedoch zementiert die Einlagensicherung Strukturen, die alles andere als marktwirtschaftlich sind.

Die Einlagensicherung setzt die Notwendigkeit einer Qualitätsprüfung des Geschäftsmodells und der Geschäftsleute außer Kraft, sie schützt Bank-Kunden vor Verlusten, selbst wenn die Manager des Instituts miserabel und unverantwortlich wirtschaften. Dadurch wird sie zu einer regulatorischen Subvention für die Bankenbranche. Finanzinstitute werden zu privilegierten Firmen, denen jeder Bürger Geld ohne Angst anvertrauen kann. Ohne Angst, aber auch ohne den Anreiz, sich die Firma genauer anzuschauen, wie es sich für eine Marktwirtschaft gehört. So werden Finanzinstitute zu einem staatlich garantierten Sektor. Kein Wunder, dass sich die Bankguthaben in Deutschland immer weiter aufblähen. Wo sonst gibt es eine solche Garantie gegen Verluste, die praktisch von der Bundeskanzlerin selbst mit der Autorität ihres Amtes gegengezeichnet wurde?


Bankeinlagen privater Kunden in Deutschland. Quelle: Bloomberg

Verdächtiger Gleichlauf

Es ist wohl mehr als ein Zufall, dass sich die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihen ähnlich entwickelt hat wie der Organisationsgrad der Arbeitnehmer in Deutschland. Beides dürfte eine Folge von Globalisierung und New Economy sein


Quelle: Bloomberg

Ungewerkschaftlich

Im derzeitigen "Streik-Pingpong" (BILD-Zeitung) mag man es kaum glauben, aber der Anteil der gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten in Deutschland hat sich seit Anfang der Neunzigerjahre halbiert. Dennoch können aggressiv auftretende Spartengewerkschaften das Land nahezu lahmlegen. Stichwort: Verletzlichkeit der Infrastruktur. Manche Arbeitnehmer sind eben gleicher als andere



Gutes haben, Leben sichern

Bank-"Guthaben" und "Lebensversicherungen" konnten ihre Bedeutung für den Vermögensaufbau in Deutschland seit der Finanzkrise ausbauen ... Die Wörter "Guthaben" und "Lebensversicherung" erinnern uns daran, wie viel Geldanlage mit Psychologie zu tun hat - manchmal auch mit Bequemlichkeit. Oder Ratlosigkeit


Die Daten stammen von der Steinbeis-Hochschule in Berlin (Steinbeis)

Sonntag, 19. Oktober 2014

Unser Geld-Vermögen

Die Zusammensetzung des Geldvermögens in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren kaum verändert - Niedrigzins und Börsenboom zum Trotz. Rund 40 Prozent entfallen auf kurz- und langfristige Bankeinlagen. Ebenfalls großes Gewicht nehmen Lebensversicherungen ein. Der Anteil von Gold (inklusive Schmuck) ist seit 2011 zurückgegangen. Münzen, Barren und Preziosen aus Edelmetall bildet heute fünf Prozent unseres Vermögens. Damit entfällt auf Gold ein ebenso groß (lies: geringer) Anteil wie auf Aktien.






Die Daten wurden von der Steinbeis-Hochschule in Berlin zusammengetragen. Die aktuellsten Werte stammen aus dem Jahr 2013. Prozent-Berechnungen von mir

Samstag, 18. Oktober 2014

Immobilienblase ohne mich

Nicht die Fährnisse der Geldpolitik (also hohe Zinsen oder niedrige Zinsen) bestimmen langfristig die Preise am Immobilienmarkt, sondern demografische Faktoren, veränderte Lebensgewohnheiten, Transportmittel und -wege. In den zurückliegenden Jahrzehnten kommen allerdings verstärkt Deregulierung und steuerliche Anreize als Preistreiber dazu.


Quelle: www.faz.net

Zu diesem Schluss kommen die Ökonomen Katharina Knoll, Moritz Schularick und Thomas Steger in einer wirtschaftshistorischen Analyse, über die die FAZ berichtet. Nirgendwo haben sich Häuser in den letzten vier Dekaden so stark verteuert wie in Australien und Südafrika - trotz relativ hoher Zinsen in beiden Ländern.

Weitere Erkenntnis: In Deutschland kann von einer landesweiten Preisblase bei Grund und Boden nicht die Rede sein.
Noch nicht zumindest

Monster der Märkte

Zuletzt haben Kollegen von mir die Finanzmärkte im vermeintlichen Größten Crash aller Zeiten als "Monster" und "Ungeheuer" bezeichnet. Sie zitierten damit (und das muss ich zu ihrer Entschuldigung einräumen) den früheren Bundespräsidenten Horst Köhler, der schon in der Krise von 2008 gewarnt hatte, das "Monster" der Märkte müsse in die Schranken gewiesen werden.

Ich denke aber nicht, dass wir die Börse ein Ungeheuer nennen sollten, und zwar unabhängig davon, ob der Dax nächste Woche steigt oder stürzt. Finanzmärkte sind bei allen Fehlentwicklungen und Übertreibungen ein Ort des Zusammentreffens. Sie sind an sich weder gut noch schlecht, und schon gar nicht böse. Diese moralische Kategorie ist deplaciert.

Auch wenn sie uns im wütenden Gebrüll des Kurssturzes ängstigen, sind sie kein Übel.

An der Börse treffen Leute mit Ideen auf Leute mit Geld, Menschen mit Mut auf Menschen mit Wut, Optimisten auf Pessimisten, Dumme auf Kluge (zuweilen sehr viele Dumme auf sehr wenige Kluge), Sparer auf Spekulanten, kaltblütige Rechner auf heißblütige Hasardeure und, ja, manchmal auch Engel auf Monster.

Übel ist das nur, wenn wir falsche Erwartungen propagieren, wenn wir die Börse zu etwas verzerren, was sie nicht ist. Wir können uns wünschen, dass es am Markt immer ruhig und gesittet zugeht, aber das ist ebenso unrealistisch wie zu fordern, dass wir auf dem Meer immer spiegelglatte See haben.

Die Börse als Ungeheuer zu bezeichnen, ist in etwa so wie die Ozeane zu dämonisieren, die den Welthandel ermöglichen, gelegentlich aber auch im Sturm ein Schiff versenken. Gewiss könnten wir auf den riskanten Überseehandel verzichten, mehr Wohlstand würde es uns wohl kaum bringen. Im Gegenteil. Die Welt enger machen würde es obendrein. Wo wären wir ohne Austauch von Gütern und Ideen?

Verluste tun weh. Und Angst vor weiteren Verlusten lähmt. Wir müssen lernen, mit den Märkten umzugehen, wie wir gelernt haben, immer sicherere Schiffe zu bauen. Dieses "wir" umschließt Banken und Versicherungen. Auch sie sind Teil der lernenden Spezies Mensch.

Dämonisierung aber führt nicht weiter. Sie ist das Gegenteil von Aufklärung. Wer trotzdem meint, die Börse sei ein "Monster", sollte sich an den gleichnamigen Song halten:

"Sie hat den Monster Body mit dem Monsterblick
und ihr Mosterboom boom gibt mir denn Kick,
sie ist ein Monster, Monster
Sie macht mir Angst, doch ich weiß wie sie tickt
Sie ist ein Monster, Monster
Sie macht mir Angst, doch ich weiß was ich will"


Freitag, 17. Oktober 2014

Gold hui, Silber pfui

Eines dieser Metalle hat ein Problem: Gold liegt auf Euro-Basis 2014 fast elf Prozent im Plus, Silber rund vier Prozent im Minus. Eines dieser Metalle ist ein Industrie-Rohstoff - was nicht schlecht sein muss, aber in Zeiten schlechter Konjunktur weniger gut ist -, 
das andere eine Form von Geld.  

Oder versuchen interessierte Kreise (das wäre die "cranky" Erklärung) die beiden Edelmetalle und ihre Fans gegeneinander auszuspielen?




Gold (blau) versus Silber (orange) auf Euro-Basis Quelle: Bloomberg, Stand 16.10.14



Donnerstag, 16. Oktober 2014

Durchbruch bei der Kernfusion?

Der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin meldet einen Durchbruch bei der Kernfusion. Schon innerhalb von 10 bis 15 Jahren sei die Serienreife möglich. Ein erster Prototyp des extrem kompakten Lockheed-Fusionsreaktors könne bis 2019 gebaut werden, heißt es. Ich kann's noch nicht so recht glauben. Am Ende ist alles eine Frage der Kosten. Und an der Kernfusion wird schon seit sechs Jahrzehnten geforscht - ohne Durchbruch. Aber wenn es stimmt, ist das ein großes Ding. Einmal mehr würde eine technische Revolution von den USA ausgehen. Die Lockheed-Aktie hat seit Anfang des Jahres 18 Prozent zugelegt

Die Aktie von Lockheed Martin ($LMT) seit 2009 Quelle: Bloomberg

Lockheed meldet Durchbruch bei der Kernfusion

Aphorismus mit Suhlen

Wer sich gern in Katastrophen-Meldungen suhlt, muss sich nicht wundern, wenn er starken Kurs-Ausschlag bekommt

Klickrige Hände

Zu André Kostolanys "zittrigen Händen" an der Börse gesellen sich heute die klickrigen Hände, die gierig alle schlechten Nachrichten anklicken und weiterverbreiten. Gut für Contrarians

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Quelle, Strom und Meer (mein erster Post)


"Wer zur Quelle will, muss gegen den Strom schwimmen."
Das höre ich derzeit oft.
Kann man gerne machen, ist aber vielleicht nicht das Klügste.
Denn was gibt es an der Quelle groß zu sehen?
Und zu erleben?
Wer dagegen - eine Zeit lang - mit dem Strom schwimmt, gelangt zum Meer.
Von dort öffnet sich eine ganze Welt