Mittwoch, 31. Dezember 2014

Achtzehn Gewinner, zwölf Verlierer - Das Dax-Jahr 2014

Der Deutsche Aktienindex Dax hat das Jahr 2014 mit einer unterdurchschnittlichen und letztlich enttäuschenden Wertentwicklung beendet. Unter dem Strich beträgt das Jahres-Plus 2,65 Prozent.

Das schwache Abschneiden des Dax im internationalen Vergleich erinnert uns daran, dass die Probleme Europas struktureller und nicht konjunktureller Natur sind und wie anfällig die Handelsnation Deutschland für geopolitische Schocks bleibt.

Dennoch gibt es einige Lichtblicke. Das waren die besten Dax-Aktien im alten Jahr:


Quelle: Bloomberg

Auffällig finde ich es, dass sich unter den fünf besten Dax-Aktien des Jahres nicht weniger als drei Familienunternehmen befinden: Merck KGaA, Fresenius Medical Care und Fresenius.

Dagegen fallen Adidas mit minus 37,8 Prozent und Deutsche Bank mit minus 24,5 Prozent als größte Verlierer aus dem Rahmen. Insgesamt schlossen jedoch 18 Dax-Papiere das Jahr mit einem Plus ab, zwölf verzeichneten ein Minus.

Nicht zu vergessen: Selbst im unterdurchschnittlichen Jahr 2014 brachte der Dax eine zehnmal so hohe Rendite wie das Sparbuch

Montag, 29. Dezember 2014

Unter null, oder nahe dran

Es ist Ende 2014 und nicht weniger als elf Staaten in Europa müssen keinen Zins mehr bieten, um Geld an den Finanzmärkten aufzunehmen.

Nimmt man Obligationen mit zwei Jahren Laufzeit als Maßstab, werden acht Euro-Länder als so solide eingeschätzt, dass Investoren auf jegliche Rendite verzichten, um ihr Geld in diesen Papieren zu "parken". 

Neben Deutschland sind das Finnland, die Niederlande, Österreich, Belgien, Frankreich, Irland und die Slowakei. Dazu kommen Dänemark, dessen Krone offiziell an den Euro gekoppelt ist, und die Schweiz als inoffizieller Teil der Währungsunion

Die Eidgenossen bekommen sogar etwas von den Investoren, die ihnen Geld anvertrauen. Aktuell beläuft sich dieser Negativzins auf fast 0,3 Prozent im Jahr. 



Die Rendite der zweijährigen Schweizer Obligationen ist tief in den negativen Bereich gerutscht
Quelle: Bloomberg


Land Nummer elf ist Schweden, das seine zweijährigen Kronen-Anleihen ebenfalls kostenfrei an den Mann und die Frau bringt.  

Bei Anleihen mit fünf Jahren Laufzeit sind es immer noch zwei Länder, die ohne Zins davon kommen: Deutschland und die Schweiz. Finnland und Dänemark müssen weniger als 0,1 Prozent per annum aufwenden, die Niederlande genau 0,1 Prozent. 

Aber selbst Italien mit seiner Schuldenquote von 130 Prozent kann sich für weniger als ein Prozent im Jahr Geld leihen. C'era una volta in Europa ...


Sonntag, 28. Dezember 2014

Haben Sie die Schlagzeile gesehen?

Vor exakt zwei Wochen brachen die Börsen rund um den Persischen Golf ein. Die deutschen Medien waren voller Mutmaßungen über das "Dubai-Omen" und andere Crash-Spekulationen. Seither sind die Notierungen dort stark gestiegen.

Die Börse Riad hat seit dem Tief Mitte Dezember um 21 Prozent zugelegt, allein 13 Prozent seit der vergangenen Handelswoche. Die Kurse in Dubai stehen heute 29 Prozent höher vor zwei Wochen. Der große Kollaps ist, falls es ihn gibt, - wieder mal - verschoben.

Der Tadawul-Index (Saudi-Arabien) hat die Verluste von Anfang des Monats hinter sich gelassen - Quelle: Bloomberg

Es ist legitim und wichtig, über kippende Aktienmärkte zu berichten. Zur Vollständigkeit gehört aber auch, die Erholung der Kurse zu erwähnen. Nach dem Motto: Dubai-Omen kündet von globalem Börsenboom

Willkommen im Wonnemonat der Aktionäre

Der Januar als Wonnemonat? Für Anleger durchaus. Dem neu erschienen "Börsenbuch" von Thomas Müller und Alexander Coels entnehme ich diesen spannenden Hinweis: Statistisch gesehen ist der Januar der zweitbeste Aktien-Monat hierzulande.

Im Durchschnitt der vergangenen 54 Jahre haben deutsche Standardwerte im Januar 1,48 Prozent an Wert gewonnen. Nur der April ist ein (minimal) besserer Dax-Monat mit einem mittleren Zuwachs von stattlichen 1,53 Prozent.

Verantwortlich für die fabelhafte Entwicklung im Januar sind wahrscheinlich die Mittelzuflüsse durch große Investoren zu Beginn des Jahres, während es im April die dann üppig fließenden Dividenden sein dürften, die zum Gutteil reinvestiert werden - und so die Kurse treiben.


Quelle: Thomas Müller, Alexander Coels. Das Börsenbuch. Rosenheim 2014: TM Börsenverlag. p. 167

Der schlechteste Aktien-Monat ist übrigens nicht der Oktober, wie man vermuten könnte, sondern der September. Statistisch gefährlich sind auch der Mai mit einer Crash-Wahrscheinlichkeit von sieben Prozent und der August mit einer Crash-Wahrscheinlichkeit von elf Prozent.

Auf diese ungemütlichen Perioden komme ich rechtzeitig zurück. Doch erstmal wollen wir uns auf den Wonne-Monat Januar freuen

Samstag, 27. Dezember 2014

Wie Han Solo aus "Star Wars" sein Geld anlegt

Die StarWars-Filme erlauben einige Rückschlüsse auf die Geldanlage der Protagonisten. Am besten informiert sind wir über die Investments von Han Solo und Luke Skywalker. Die beiden haben ihr Geld an der Börse angelegt, allen Marktmanipulationen des bösen Galaktischen Imperiums zum Trotz.
Han scheint sogar in Extremsituation interessiert an der Kursentwicklung zu sein.

Möge die Rendite mit dir sein, nicht die Riester-Rente!
Foto/Montage: Daniel Eckert/Pho.to Lab


Denn als er in Episode VI von den Freunden aus dem Palast von Jabba dem Hutten gerettet wird, fragt er, kaum vom Karbonit befreit, Luke als erstes: "Wie stehen unsere Aktien?" Der antwortet, etwas lapidar: "Unverändert."

Die mäßige Entwicklung der Aktien verwundert mich nicht. In einem autoritären Superstaat wie dem bösen Galaktischen Imperium war nun nicht viel anderes zu erwarten. Ich will gar nicht wissen, wie hoch die Steuern sind, die der Imperator seinen Untertanen abverlangt.

Das dürftige Leben der Feuchtfarmer auf Tatooine spricht Bände.

Über die Investment-Neigungen der anderen Protagonisten können wir zumindest solide spekulieren. Vom Imperator, dem früheren Kanzler Palpatine, dürfen wir annehmen, dass er sich ganz Aristokrat auf Grund und Boden kapriziert.

Gerade Alleinherrscher geworden hat Palpatine nichts Eiligeres zu tun, als ein gewaltiges Bauprojekt in Auftrag zu geben: den ersten Todesstern (Episode III), der nicht nur in einer Explosion endet, sondern auch in einem PR-Gau.
Nach der Zerstörung des ersten Todessterns investiert der Imperator unbeeindruckt und ziemlich einfallslos in ein weiteres größenwahnsinniges Projekt: Todesstern Nummer zwei (Episode VI).
Geld spielt scheinbar keine Rolle. Wir dürften aber annehmen, dass er die Steuerschraube dafür einmal mehr anziehen musste. Darth Vader stößt beim Besuch der Baustelle auf frustriertes Personal, das nur unter Androhung roher Gewalt zu Mehrleistung anzuspornen ist.

Darth Vader selbst scheint weder von Aktien noch von Immobilien viel zu halten. Sein Vermögen steckt der zum Sith gewordene frühere Jedi in schnelle Weltraum-Flitzer. So erscheint Vader in Episode IV mit einem eigenen Kampfjäger. Bei seiner Leidenschaft für Schnelligkeit und Risiko bleibt er sich treu. Schon der junge Anakin Skywalker hielt es sich zu gute, den schnellsten Podrenner sein Eigen zu nennen (Episode I). Ungewöhnlich auch, dass der zweite Mann im Staat selbst immer wieder ins Gefecht eingreift. Vader ist ein Borderliner, ein Hasardeur.

Vielleicht frönt er auch dem Glücksspiel?

Der Arbeiter Chewbacca dürfte seine Einkünfte in Technik-Kram tauschen. Und macht damit eine gute Rendite. Die Bastelei des Wookie am Millennium Falcon verdanken die Rebellen ihr Leben (Episoden IV-VI). Ein besserer Ertrag als verlängertes Leben und Sieg in der Schlacht lässt sich nicht vorstellen.

Ein Interessanter Fall sind die Jedi-Ritter. Offensichtlich handelt es sich bei den Jedi um einen Orden, der über keine eigenen Einkünfte verfügt, sondern sich qua Spenden und vermutlich eine Stiftung finanziert.

Indes dürfte das Stiftungskapital nicht allzu üppig sein, denn als Luke Yoda erstmals im Dagobah-System aufsucht (Episode V), findet er den letzten der Jedi-Meister dort in einer derart ärmlichen und unkomfortablen Umgebung vor, das nicht nur vom Essen her an ein unterfinanziertes Altenpflegeheim erinnert.

Denkbar, dass das Stiftungskapital der Jedi vom bösen Galaktischen Imperium konfisziert wurde, da es nicht auf sicheren Konten in der Schweiz untergebracht war. Die Abschaffung von Bargeld und Aufhebung des Bankgeheimnisses in einem totalitären Staat lassen grüßen.

Möglicherweise hat sich Yoda aber auch schlicht auf seine Riester-Rente verlassen. Da bleibt ihm als Single nicht viel übrig. Oder er hat darauf gebaut, dass die Anleihenrenditen nach 1000 Jahren wieder anziehen. Immerhin bleibt Yoda sein Eigenheim, und wer weiß, ob er unter seiner Matratze nicht auch eine paar Goldstücke versteckt hat?


Anmerkung. Im amerikanischen Original begrüßt Han Luke nach der Befreiung etwas anders: How are we doing? Umso witziger, dass man dem Piloten des Millennium Falcon in der deutschen Synchronisation der Siebzigerjahre die Frage nach seinen Aktien untergeschoben hat.
Hier der Originaldialog:

Luke: Han!
Han: Luke!
Luke: Are you all right?
Han: Fine. Together again, huh?
Luke. Wouldn't miss it.
Han: How are we doing?
Luke: The same as always.
Han: That bad, huh?

Mittwoch, 24. Dezember 2014

Die Schwundform der Schwundform von Information

Ein Wort, das der deutschen Sprache respektive dem Denglischen noch fehlt, ist Unfutainment (von Mittelhochdenglich: Unfugtainment). Darunter verstehen wir offensichtlichen oder zumindest nachweisbaren Unfug, der von einem Medium als Infotainment serviert wird. 

Wenn Infotainment die leicht verdauliche Fastfoodvariante von Information ist, dann ist Unfutainment die Schwundform

Besonders verbreitet scheint Unfutainment im Wirtschafts- und Finanzbereich zu sein, wo immer mehr Medien-Schaffende der Meinung sind, dass sie dem User kein originelles Menü mehr zumuten können. 

Statt einer Nachricht mit moralischem oder pragmatischem Nährwert bietet Unfutainment vor allem eins: kurzfristige Appetitbefriedigung. Ohne Ballaststoffe. Dafür aber mit schalem Nachgeschmack

Dienstag, 23. Dezember 2014

Nur noch 157 Jahre sparen bis zur Rente - mit Bundesanleihen

Zehnjährigen Bundesanleihen sind ein ziemlich guter Maßstab dessen, was sich mit Rentenpapieren an Entrag erreichen lässt. Gemessen daran dauert beim aktuellen Renditeniveau 116 Jahre, um das eingesetzte Kapital zu verdoppeln.

Das gilt allerdings nur, wenn ich alle Zinsen reinvestiere und die staatlichen Abzüge außen vor lasse. Die derzeitigen steuerlichen Regelung (Abgeltungsteuer plus Soli) vorausgesetzt erhöht sich die notwendige Anlagedauer auf schlanke 157 Jahre.


Die Rendite der Bundesanleihe befindet sich seit Jahren im Sinkflug. Die Zinsen aller anderen Rentenpapiere ziehen nach
Quelle: Bloomberg


Mit Dax-Aktien dauert es auf Basis der historischen Rendite von acht Prozent bis zur Verdopplung neun Jahre, Steuern einkalkuliert zwölf Jahre.

Wenn ich glaube, dass die Aktien-Rendite etwa wegen des geringeren Wirtschaftswachstums auf etwa fünf Prozent sinkt, muss ich mit 14 Jahren rechnen, Nach dem Eingriff des Fiskus sind es 19 Jahre.

Man mag die Berechnungen für frivol halten. Denn warum sollte ich mein Kapital ohne Arbeit verdoppeln wollen? Indessen ist das genau das, was jeder bei seiner Altersvorsorge anstrebt. Wachstum des Sparkapitals, ohne zusätzlich einen Finger krumm machen zu müssen.

Wer davon ausgeht, dass er oder sie 40 Jahre arbeitet und 20 Jahre in Rente ist, muss rein rechnerisch ein Viertel seines Einkommens ansparen und dieses Angesparte verdoppeln, um keine Einbuße im Lebensstandard hinzunehmen.

Ob die Verdopplung des Angesparten über die gesetzliche Rentenversicherung erfolgt oder über private Investments ist mathematisch unerheblich.

Die privat Altersvorsorge über Lebensversicherungen, Investmentfonds etc. setzt ein stabiles Finanz- und Wirtschaftssystem voraus, die staatliche nachfolgende Generationen von Arbeitnehmern, die fähig und bereits sind, über Steuern und Beiträge genügend Geld für die Rente der Älteren aufzubringen.

Die Alternative ist nur: länger arbeiten

Sonntag, 21. Dezember 2014

Möge Kostolany sich aus seinem Grab erheben!

Schlimm, was heutzutage so als "Finanzexperte" durch die Talkshows dieser Republik lanzt. Manchmal träume ich davon, dass sich der selige André Kostolany aus seinem Grab erhebt und diesen Bürschelchen 
mit ihren Crash-Büchelchen die Hammelbeine langzieht.



"Der Crash ist die Lösung" hatte bei Lanz am 18. Dezember 2014 seinen großen Auftritt
Quelle: Screenshot von Youtube-Video


Und das öffentlich-rechtliche Fernsehen möchte ich fragen: Habt Ihr nichts Besseres zu bieten? Das ist eher Mystery Dax oder Misery Dax als Mister Dax!

Die Börse ist mal schreiend bunt, mal deprimierend grau, aber eines ist sie nie: 
So schwarz-weiß, wie Ihr sie zeichnet

Die Sicherheit der Aktionäre

Aktionäre haben's in Deutschland nicht leicht. Wenn es an der Börse gut läuft, ist ihnen der Neid und die Missgunst der Leute sicher. Wenn es schlecht läuft - die Schadenfreude

Donnerstag, 18. Dezember 2014

Wo hat QE eine Währung ruiniert?

Das Jahr 2014 ist ein Lehrstück dafür, wie deplaciert das Gerede vom Währungskollaps durch QE ist. Wenn Währungen dieses Jahr kollabiert sind, dann hatte das nichts mit quantitativer Lockerung (Anleihen-Käufen durch die Notenbank) oder aufgeblähten Geldmengen zu tun.

Eine Währung lebt vom Vertrauen der Bürger und Investoren. Entziehen sie ihr dieses Vertrauen, wie wir es 2014 zunächst beim Argentinischen Peso und dann beim Russischen Rubel gesehen haben, kann der Wechselkurs schnell ins Bodenlose fallen.


Der Russische Rubel ist 2014 so stark eingebrochen wie seit 1998 nicht mehr
Quelle: Bloomberg
Riesige Bodenschätze oder Goldbestände der Notenbank helfen wenig, solange die Geld-Nutzer nicht von der Stabilität und Verlässlichkeit der Institutionen überzeugt sind, die hinter einer Währung stehen.

Im Fall der USA und Großbritanniens hat die "Politik der rotierenden Notenpresse" sogar zu einer Aufwertung der Valuta geführt. Nicht zu einer Abwertung.

Man muss eben genauer hinschauen. Die Dinge sind komplizierter, als man denkt. Und sie sind vor allem komplizierter, als man allzu häufig schreibt

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Die Hässlichen und die Schönen der Weltbörsen 2014

Russische Aktien waren das schlechteste Investment des Jahres. Seit Januar haben Investoren an der Börse Moskau 52 Prozent ihres Kapitals verloren. Damit war der Kursverlust bei Gazprom & Co. schlimmer als bei Papieren der vom Krieg erschütterten Ukraine, die mit minus 39 Prozent am zweitübelsten aussehen.

Verlierer des Jahres Nummer drei ist das afrikanische Öl-Land Nigeria mit einem Minus von fast 30 Prozent. Dann folgen die Euro-Krisenländer Griechenland und Portugal, wo Anleger dieses Jahr einen Verlust von jeweils 28 Prozent hinnehmen mussten.

Auf der Gewinnerseite finden sich neben venezolanischen Aktien, die für Ausländer praktisch nicht investierbar sind, die Papiere der großen asiatischen Schwellenländer: Mit einer machtvollen Bewegung hat sich die Börse Schanghai 2014 an die Spitze gesetzt. Die dort gehandelten Dividendentitel brachten es im Durchschnitt auf 54 Prozent Plus.


Mit Asien ging es 2014 aufwärts, mit Osteuropa und Öl-Ländern abwärts
Quelle: Bloomberg


Die wichtigste Festlandsbörse profitiert von der Öffnung der chinesischen Kapitalmärkte, einem in Deutschland viel zu wenig zur Kenntnis genommenen Ereignis von großer Tragweite.

Auch Titel aus Indien und Pakistan schnitten mit 42 Prozent und 35 Prozent plus sehr gut ab. Auf dem Subkontinent herrscht nach der Wahl von Narendra Damodardas Modi zum Regierungschef eine wirtschaftliche Aufbruchstimmung, die auch die Aktienmärkte beflügelt. Da ist 2015 noch mehr zu erwarten.

Sonstwo im Fernost war die Stimmung ebenfalls gut: Die Börse der Philippinen verbucht 2014 einen Zuwachs von 33 Prozent, und Indonesien ist mit plus 25 Prozent vertreten. In einem Jahr, in dem der Deutsche Aktienindex Dax immer noch darum kämpft, es überhaupt in die Pluszone zu schaffen und in dem der österreichische ATX (wegen der Osteuropa-Sorgen) dick im Minus steht, spielte die Musik in Asien und Amerika.

US-Aktien gewannen in Euro gerechnet mehr als ein Fünftel an Wert. America the Beautiful

Montag, 15. Dezember 2014

Der Tag, an dem der Rubel um zehn Prozent abstürzte

In der Ukraine-Krise hat Wladimir Putin machtvoll demonstriert, dass er nicht mehr bereit ist, nach den Regeln des Westens zu spielen. 
Im Rubel-Crash zeigen westliche Investoren nun Putin, dass sie nicht mehr bereit sind, nach den Regeln des Kreml zu spielen

Dieser deutsch-französische Vergleich wird Sie überraschen

In Deutschlands Medien hat es sich eingebürgert, von der "maroden französischen Wirtschaft" zu sprechen. "Marode" ist im Zusammenhang mit Frankreich schon fast so etwas wie ein haftendes Attribut in der Journalistensprache geworden.

Im Gespräch höre ich auch öfter mal die Verballhornung "Krankreich".

Nur, steht die französische Ökonomie wirklich vor dem finalen Kollaps? Spielt die deutsche in einer ganz anderen Liga? Kurz, ist die Bundesrepublik ihrem westlichen Nachbarland und Euro-Partner in den letzten Jahren wirtschaftlich mit Siebenmeilenstiefeln davongeeilt?

An der Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts lässt sich eine solche Kluft nicht ablesen. Gemessen am Stand von 2004 ist das Wachstum Frankreichs erst dieses Jahr - leicht - hinter das Deutschlands zurückgefallen. 



Die französische Wirtschaft ist in den vergangenen zehn Jahren fast so schnell gewachsen wie die deutsche
Quelle: Eurostat

Ich bin kein Freund des zentralistischen französischen Wirtschaftsmodells. Aber die zweitgrößte Euroland-Ökonomie besteht nicht nur aus sklerotischen Staatskonglomeraten, die von elitären Enarchen in Paris gelenkt werden. Frankreich hat viele international wettbewerbsfähige Unternehmen.


Nimmt man 1990 als Startpunkt (=100), hat die französische Wirtschaft stärker zugelegt als die deutsche
Quelle: IWF World Economic Outlook Oktober 2014

Der langfristige nicht zuletzt demografisch getriebene Aufholprozess zur deutschen Wirtschaft ist unter Hollande allenfalls unterbrochen, nicht beendet. Wie sagte unlängst jemand: Kurzfristig hat Frankreich größere Probleme als Deutschland, langfristig ist es eher umgekehrt.

Wenn la France marode ist, dann ist sie es höchstens ein klein wenig mehr als l'Allemagne. 

Den Hinweis auf den überraschenden Chart und die dahinter stehende Entwicklung verdanke ich Helmut Reisen

Samstag, 13. Dezember 2014

Fast eine Weihnachtsgeschichte (Waynes Wahl)

Der Mitgründer von Apple Ron Wayne verkaufte 1976 alle seine Aktien (10 Prozent der Firma) für 800 Dollar. Das Geld steckt er in Gold. Das Edelmetall wäre heute 1750 Dollar wert. Hätte er seine Apple-Aktien behalten, wäre er heute Multimilliardär.

Heute 80-jährig sagt Wayne, dass er die Entscheidung nie bereut hat. Hätte er weiter bei Apple mit den Verrückten Steve Jobs und Steve Wozniak zusammengearbeitet, wäre er heute "der reichste Mensch auf dem Friedhof". Bis heute legt der IT-Spezialist seine Ersparnisse in Gold an

Quelle: Bloomberg

Dauergier geht auch nicht

An der Börse heißt es zwar. Sei gierig, wenn andere ängstlich sind. Aber wie soll man einen Zustand der Dauergier durchhalten, wenn alle ständig Angst haben?

Freitag, 12. Dezember 2014

Potz-Dividende! Das gab's noch nie

Nicht nur im Tierreich gibt es Mutationen und merkwürdige Anomalien. Auch an der Börse finden sich Monstrositäten, zum Beispiel diese: Nach den jüngsten Markturbulenzen liegt die durchschnittliche Dividende der Dax-Aktien 1,5 Prozentpunkte (150 Basispunkte) über der Rendite von deutschen Unternehmensanleihen mit guter Bonität BBB. Ganz klar historischer Spitzenwert.


Traditionell waren die Dividenden (orange) niedriger als die Bondrenditen (gelb) - seit der Finanzkrise nicht mehr
Quelle: Commerzbank

Eine solche Diskrepanz ist einmalig und deutet darauf hin, dass Aktien entweder krass unterbewertet oder Bonds krass überbewertet sind.

Während mich bei Staatsanleihen mit bester Bonitätsnote AAA das Argument überzeugt, dass sie in Krisenzeiten ein sicherer Hafen sind, vermag ich das bei Unternehmensanleihen nicht so richtig nachzuvollziehen.

Wenn ein Unternehmen noch in zehn Jahren die finanzielle Kraft hat, alle seine Schulden zu tilgen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es zwischenzeitlich auch Dividenden zahlen wird.

Im Durchschnitt der letzten zwölf Jahre warfen Festverzinsliche 120 Basispunkte mehr an laufenden Erträgen ab. Mehr, nicht weniger wie jetzt. Im Jahr 2000 lag die durchschnittliche Anleihenrendite sogar 440 Basispunkte über der Dividendenrendite.

Damals, zur Jahrtausendwende, brachten langlaufende Bonds mit Rating BBB 6,2 Prozent, heute sind es gerade einmal 1,5 Prozent. Wer stürzt sich zu diesem Preis auf die Papiere? Und warum?

Natürlich könnte sich in den Kursen und Zinsen die Erwartungen einer Jahrelangen Deflation à la Japan niederschlagen. Es könnte aber auch etwas anderes sein: eine Marktverzerrung als Folge einseitig kanalisierter Ersparnisse.

Wie sagte mir zuletzt ein Versicherungsvorstand: Wir kaufen, kaufen, kaufen. Und meinte damit nicht Aktien

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Weine nicht um den "Megatrend" Wein

Zwischen 2008 und 2011 gab es in der Investmentwelt kaum etwas Heißeres als edle französische Rotweine. Die Châteaux aus Südwestfrankreich waren praktisch der Glüh-Wein der Anleger.

Bordeaux seien Sachwerte mit Sex-Appeal und enormem Wertsteigerungspotenzial. Premier Crus müssten immer teurer werden, hieß es, das gehe gar nicht anders.

Die Argumentation klang, wie das bei "Megatrends" stets der Fall ist, bestechend logisch, annähernd unwiderlegbar.

Erstens seien Nobelgewächse wie Latour oder Lafite von Natur aus knapp, die Anbaufläche lasse sich bekanntlich nicht ausweiten. Zweitens würden die Neureichen des Planeten (damit waren vor allem Russen und Chinesen gemeint) den rubinrot schimmernden Rebensaft mehr und mehr als Teil ihrer Lebensart und ihres Status schätzen.

Da gerade in diesen Wirtschaftssupermächten der Zukunft die Zahl der Millionäre sprunghaft steige, seien Preise von 1000 Euro oder irgendwann vielleicht 10.000 Euro pro Flasche möglicherweise schamlos, aber marktwirtschaftlich eben gut zu erklären. 

Drittens, und das war eine weitere Ingredienz des Megatrends, erlaube die moderne Kellertechnik jeden Jahrgang in einen Spitzenjahrgang zu verwandeln. Ja, Megatrends brauchen immer auch eine Prise Magie!


Der Liv-Ex 100 ist eine Art Dax der Weinwelt. Er bildet die Preisentwicklung der 100 meist gehandelten Edelweine ab.
Quelle: Liv-Ex

Wenige Jahre später sind die letzten beiden Prämissen des Megatrends schal geworden. Das Zur-Schau-Stellen von Luxus ist vielen Chinesen gründlich verleidet, seitdem die Regierung in Peking das Verschenken von teurem französischen Rotwein als Korruption beargwöhnt und ahndet. Die Rubel-Krise tut das ihrige, die russischen Connaisseure zu verschrecken.

Und seit 2011 waren die Jahrgänge alles andere als spitze. Ergebnis: Die Preise für Erste Gewächse fallen das dritte Jahr in Folge. Die meisten Grand Crus von 2011, 2012 oder 2013 sind keineswegs schlecht, aber Preise oder gar Preissteigerungen von mehreren hundert Euro rechtfertigen nur absolute Ausnahmejahre in einer stabilen Weltwirtschaft.

Die Analysten der Weinbörse Liv-Ex in London sprechen von einer Stabilisierung der Notierungen im zweiten Halbjahr 2014.
Au revoir Megatrend Sachwert in Flaschen. Darauf einen guten Bordeaux!


Die Online-Schlagzeile, auf die ich warte

WASSER IST FÜR MENSCHEN GIFTIG! Das ist die Online-Schlagzeile, auf die ich noch warte. Die irgendwann kommen wird. Die irgendwann kommen muss. Und es stimmt ja: Ab einer bestimmten Dosis wirkt H2O tödlich. So ab zwölf Litern oder fünfzehn.

Fehlt nur noch ein Experte, der davor warnt.


Er kennt keine Überdosis Wasser, Menschen schon
Foto: Daniel Eckert

Das ist ebenso wahr, wie es wahr ist, dass das Internet dumm macht. Ab einer bestimmten Dosis, bei falscher Nutzung.

Schon paradox. Das Medium, das jedermann einen noch nie da gewesenen Zugang zum Wissen der Welt eröffnet, auch zu Wissensquellen, von denen Normalsterbliche noch vor 50 oder gar 20 Jahren nur träumen konnten, verführt weithin zu einem oberflächlichen Umgang mit Information.

Wasser ist eben giftig. Und im Ozean der News kann man ersaufen

Dienstag, 9. Dezember 2014

Diese Aktie ist ein Analysten-Liebling? Hände weg!

Seit Jahren mache ich mir einen Spaß daraus zu überprüfen, wie die Aktien-Lieblinge von Analysten abschneiden. Das Ergebnis ist auf ganzer Linie ernüchternd - aber auch lehrreich. Die Beobachtungen helfen uns einzuschätzen, ob es so etwas wie kollektive Intelligenz gibt.

Um es vorweg zu nehmen: Es gibt sie nicht. In all den vielen Jahren haben ist es kein einziges Mal vorgekommen, dass die bei Experten besonders beliebten Aktien in der Folgezeit besser gelaufen wären als der Index.

In den meisten Fällen war es vielmehr so, dass sich die äußerst unbeliebten Dividendentitel (die mit den meisten Verkaufsempfehlungen) am besten entwickelten.

Die Auswertung des Jahres 2014 bestätigt die Erfahrung: Die Dax-Aktien, von denen die Analysten Ende 2013 abrieten, stehen zwölf Monate später besonders gut da. Die Papiere, die besonders viele Kaufempfehlungen auf sich vereinten, haben dagegen schlecht abgeschnitten.


Die Dax-Aktien mit den meisten Kauf-Empfehlungen schnitten 2014 schlecht ab
Quelle: Bloomberg, eigene Recherche

Ein Korb aus den zehn Analysten-Lieblingen von Ende 2013 hat Anlegern bis heute ein Minus von vier Prozent bechert. Die zehn Aktien mit den wenigsten Kaufempfehlungen (die "hässlichen Entlein") brachten dagegen ein Plus von sieben Prozent.

Wie ist dieses Versagen der Experten zu erklären ? Schließlich haben Analysten tieferen Einblick in die Unternehmen als "normale" Anleger, wenngleich keinen tieferen als die Manager. Sie werden bevorzugt mit Informationen versorgt und können über spezielle Datenbanken verfügen.

Warum kann dennoch von "Schwarmintelligenz" bei Analysten keine Rede sein? Warum sind sie als Kollektiv eine Null. Ich meine, die Profis stehen sich selbst im Weg. Konformismus dürfte ein Teil der Erklärung sein. Wer mit seiner Aussage stark vom Konsens abweicht, gerät schnell in Erklärungsnot. Und weil das anstrengend ist, schreiben alle von einander ab.

Auch die Bürokratie dürfte eine Rolle spielen. Bis Analysten zu einer veränderten Einschätzung der Situation kommen und diese auch noch publizieren, müssen sie etliche Hürden überwinden. In dieser Zeit hat sich Aktienkurs oft schon so verändert, dass die Banker mit ihren Einschätzungen nur noch hinterher hecheln. Dazu kommen taktische Gefälligkeiten, die das Urteil trüben.

Die gute Nachricht ist: Wenn die kollektive Dummheit der Analysten ein so stabiles Phänomen ist, lässt sich darauf eine Anlagestrategie aufbauen. Die jetzigen Darlings der Analysten sind, gemessen am Anteil der Kaufempfehlungen Volkswagen, Daimler, Fresenius, Allianz, Bayer, SAP, BMW, Siemens, Lanxess und Continental.
Von diesen Aktien sollten wir im neuen Jahr besser nicht allzu viel erwarten.

Besser als der Dax abschneiden dürften hingegen die "hässlichen Entlein" Commerzbank, RWE, Adidas, Lufthansa, E.on, K+S, Beiersdorf, Merck KGaA, Munich Re und ThyssenKrupp

für Dr. Ralph

117 Billionen für die Katz?

Das fragt die UniCredit, nachdem gestern die neue Wirtschaftsdaten für Japan herauskamen. Die Daten waren alles andere als erbaulich. Nicht für das dritte Quartal, schon gar nicht fürs Gesamtjahr. Obwohl die Bank of Japan seit April 2013 aus fast allen Rohren Liquidität pumpt und die genannten 117 Billionen Yen an quantitativer und qualitativer Lockung (QQE) bereit gestellt hat, liegt Japans Bruttoinlandsprodukt heute 2,2 Prozent niedriger als Anfang 2014.

Jetzt kann man darüber streiten, ob ein steigendes BIP das Alleinglückseligmachende ist. Allerdings wird man für 117 Billionen Yen (fast 800 Milliarden Euro) noch was mehr erwarten dürfen als steigende Aktien- und Rentenkurse. Die Ankurbelung der Inlandsnachfrage scheint Premier Shinzo Abe erst einmal nicht geglückt zu sein. Der private Konsum ist 2014 um 2,7 Prozent gesunken!



Quelle: UniCredit


Wie sehr die Abenomics (Gelddrucken plus höhere Schulden mit dem Ziel, die lahme Konjunktur wieder flott zu machen) in Problemen steckt, wird deutlich, wenn man Japans Entwicklung mit der anderer Wirtschaftsräume vergleicht. Trotz der verfeuerten 117 Billionen Yen steht die drittgrößte Ökonomie heute nicht weiter als da, wo sie bereits 2013 stand.

In der gleichen Zeit ist das reale BIP der USA um vier Prozent gewachsen, das Großbritanniens gar um 4,5 Prozent. Selbst die Wirtschaft der viel gescholtenen Eurozone expandierte stärker, nämlich um 1,3 Prozent, und das ohne groß angelegte monetäre Expansion.

Immerhin, der japanische Nikkei-Index hat seit Anfang 2013 um 77 Prozent zugelegt. So gesehen hat die Abenomics dann doch etwas gebracht

Sonntag, 7. Dezember 2014

Der schlimmste Fehler des Galaktischen Imperiums

Je länger ich drüber nachdenke, desto mehr bin ich davon überzeugt, dass das böse Galaktische Imperium vor allem an einem schlechten Propagandaministerium gescheitert ist. Ich meine, wie kann Darth Vader das Ding nur "TODESstern" nennen? Hallo, ist doch klar, dass sich Aufwiegler und Unzufriedene der ganzen Galaxis gegen das Imperium zusammenrotten.

Warum nicht Hilfsglobus, Freiheitskugel, Sozialplanet oder tatatataaah
Stabilisierungstern auf humanitärer Mission? Nicht mal die Mauer hieß Mauer, sondern "antifaschistischer Schutzwall". Nennt man ein hässliches und gefährliches Ding nur ein wenig netter, finden sich auf der anderen Seite immer ein paar nützliche Idioten, die sowas sagen wie: "Der Imperator meint es nur gut. Man muss den Imperator verstehen"

Samstag, 6. Dezember 2014

Warum mir die Rechte manchmal leidtut

Die deutsche bürgerliche Rechte kann einem manchmal leid tun. Sie kann sich weder über den Dax-Rekord noch über den steigenden Wert Ihrer Immobilien freuen. Und das obwohl sich Deutschland so gern über seinen wirtschaftlichen Erfolg definiert.

Aber wenn die deutschen Unternehmen eine Spitzenbewertung erreichen, dann rührt das aus Sicht der Rechten nicht daher, dass die Unternehmen in fast aller Welt erfolgreich sind. Und wenn die Preise ihrer Stadthäuser zulegen, hat das nichts damit zu tun, dass unsere Städte so attraktiv sind und die Beschäftigung einen Höchststand erreicht hat.

Nein, hinter alledem steht nur das billige Geld der Ehzetbeh. Und von der kommt bekanntlich nichts Gutes.
So ist der deutschen Rechten sogar der wirtschaftliche Erfolg der Bundesrepublik verleidet.
Ja, manchmal kann einem die deutsche Rechte leidtun

Freitag, 5. Dezember 2014

Börsianer stehen am Erker des Jahres

Der Dezember ist so etwas wie das Erkerzimmer des Jahres. Mit nebeliger Aussicht auf die Zukunft. Auch Börsianer stehen jetzt gern am Fenster, drücken sich die Nase an der kühlen Scheibe platt und versuchen tuschelnd, einen Blick auf das Kommende zu erhaschen.

Meist ist der Blick zurück jedoch erfolgversprechender als der trügerische Blick nach vorn. Wer sich anschaut, welche Aktien in den ersten elf Monaten des Jahres gut gelaufen sind, hat eine passable Chance richtig zu erraten, welche Papiere auch in den restlichen Wochen gut abschneiden.

Umgekehrt gilt: Die Verlierer der ersten elf Monate werden mit großer Wahrscheinlichkeit auch die Verlierer des Monats Dezember sein. Das erklärt sich zum Teil aus der simplen Fortsetzung eines längerfristigen Trends (Trendwechsel im Dezember sind selten), zum Teil aus dem so genannten "window dressing".

Fondsmanager versuchen sich beim Jahresabschluss gut zu präsentieren, indem sie nachweisen, dass sie auf die Gewinner des Jahres gesetzt hatten. Hatten sie die Gewinner-Titel nicht oder zu wenig im Depot, ordern sie im Dezember nochmal schnell nach, damit die im Bestand deutlich vertreten sind.

Diese Käufe auf den letzten Metern treiben die Kurse der Gewinner und geben den Jahresbesten am Ende nochmal einen Schub. So lässt der Dezember-Effekt bis Silvester eine gute Kursentwicklung bei folgenden Dax-Aktien erwarten: ThyssenKrupp, Merck, Bayer, Fresenius, Fresenius Medical Care und E.on.

Weiter runter gehen dürfte es dagegen bei Lanxess, Deutsche Bank sowie Adidas. In vier Wochen werde ich berichten, ob die Erwartung des "window dressing" dieses Jahr ein guter Ratgeber war


Quelle: Bloomberg

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Man in Black beim Staubwischen

Jede Woche rieselt auf Berlin statistisch gesehen ein Kilogramm Staub von Kometen, Asteroiden und anderen Himmelskörpern herab. Weltweit wiegt dieser kosmische Nieselregen 40.000 Tonnen im Jahr (im Naturkundemuseum Berlin nachzulesen). 

Wer Staub wischt, hat es also potenziell mit kleinen Aliens zu tun und kann sich wie ein Man oder eine Woman in Black fühlen

Kunden rennen Edelmetallhändlern die Bude ein, aber nur im November

Die Firma Degussa Goldhandel meldet für November 2014 einen Rekordabsatz an Edelmetall. Insgesamt seien 15 Tonnen Gold und Silber im Wert von 450 Millionen verkauft worden. Trotz dieses Hochs erwartet Degussa für das Gesamtjahr aber einen leichten Absatzrückgang. 

Nach 121 Tonnen im Jahr 2013 dürften dieses Jahr insgesamt 116 Tonnen Edelmetall über die Ladentheke gehen, also gut vier Prozent weniger

Mittwoch, 3. Dezember 2014

Fünfer-Regel verspricht Fortsetzung der Börsenrallye

Die Marktinspektoren der Commerzbank um Andreas Hürkamp weisen auf eine lustige Koinzidenz hin: Jahre, die auf eine 5 enden, sind gute Aktienjahre!




So stieg der Dax 2005 um 27 Prozent, 1995 um sieben Prozent, 1985 um ähm 66 Prozent und 1975 um 40 Prozent. 

Lediglich 1965 ging es mit deutschen Standardwerten nach unten, und zwar um 13 Prozent.

Zur Bekräftigung erwähnt Inspektor Hürkamp, dass das siebte Jahr einer Hausse (das wäre 2015) immer ein gutes Jahr war - im Gegensatz zum vertrackten sechsten. Können wir gerade erleben.

Na dann, Glück auf 2015!

Tiefsehers experimentelles Depot

Heute probiere ich etwas Neues aus. Ich habe ein Tiefseher-Portfolio eingerichtet und mit diversen Positionen bestückt. Das Tiefseher-Depot ist KEINE Anlageempfehlung, sondern ein Experiment.
Es geht darum herauszufinden, ob sich auch in unseren Zeiten ein akzeptables Chance/Risiko-Verhältnis hinbekommen lässt, wenn man das Vermögen nur intelligent genug aufteilt.

Genau das wird von den Doomstern bestritten. Nach dem Motto: Es gibt keine gute Geldanlage in einem schlechten Geldsystem. Wir werden sehen.

Zum Start enthält das Tiefseher-Depot folgende Anlageklassen:

Aktien: 55 Prozent
Festverzinsliche: 25 Prozent
Gold: 10 Prozent
Barbestand: 10 Prozent

Der Aktien-Bestand teilt sich wie folgt auf ...

Dax: 5 Prozent
MDax: 5 Prozent
EuroStoxx50: 10 Prozent
MSCI USA: 10 Prozent
Nifty Indien: 10 Prozent
FTSE China 25: 10 Prozent
FTSE 100 Großbritannien: 5 Prozent

... und der Renten-Bestand so:

Bundesanleihen: 5 Prozent
Pfandbriefe: 5 Prozent
Euro-Unternehmensanleihen: 5 Prozent
US-Staatsanleihen: 10 Prozent

Der Einfachheit halber habe ich die Positionen mit handelsüblichen Indexfonds abgebildet (ETF und ETC im Fall von Gold).

Bei den Aktien erkennt man einen leichten "home bias" zugunsten von deutschen Werten. Ich denke jedoch, dass die Übergewichtung zumindest zu Beginn gerechtfertigt ist. Schließlich hat der Dax ein unterdurchschnittliches Jahr hinter sich.
Man mag einwenden, dass der Aktienbestand mit 55 Prozent zu hoch sei. Da das Tiefseher-Depot jedoch auf lange Sicht ausgelegt ist, erscheint mir das gerechtfertigt.

Ich werde in unregelmäßigen Abständen darauf zurückkommen, wie sich das Portfolio in den verschiedenen Marktphasen schlägt






Dienstag, 2. Dezember 2014

Wahrnehmung, Warnnehmung, Wahnnehmung

Der Dax springt am Morgen über 10.000 Punkte. Aber alle hier interessieren sich für den gestrigen 3,3-Prozent-Stolperer der Apple-Aktie ("40 Milliarden in wenigen Minuten verloren!"). In Deutschland müssen wir uns wirklich keine Sorgen über eine Börsen-Euphorie machen


Der Dax seit 1960 in logarithmischer Darstellung
Quelle: Bloomberg

Epochenwende in Fernost

Weitgehend unbemerkt von der hiesigen Öffentlichkeit vollzieht sich in Fernost ein Führungswechsel: Zum ersten Mal ist der chinesische Aktienmarkt am japanischen vorbeigezogen. Die Volksrepublik ersetzt das alternde Nippon damit auch als Asiens Finanzmacht Nummer eins.


Erstmals liegt das Reich der Mitte als Finanzmacht vor seinem alten Rivalen Japan
Quelle: Bloomberg, eigene Recherche

Alle Anteilscheine chinesischer Unternehmen bringen nach einem prächtigen Anstieg von 33 Prozent dieses Jahr 4,5 Billionen Dollar auf Wage. Die in Tokio und Osaka gehandelten Aktien sind dagegen etwas weniger, nämlich 4,47 Billionen Dollar wert.

Bereits 2010 hat das Reich der Mitte Japan als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt abgelöst. Auch die chinesische Börse lag schon mal vor der japanischen, jedoch nur kurz. Das war im März 2011 nach dem Kurseinbruch in Tokio als Folge der Tsunami-Katastrophe.

Noch 2006 betrug die chinesische Marktkapitalisierung nur ein Zehntel der japanischen

Montag, 1. Dezember 2014

Die blinden Glaskugeln der Auguren

Kein mir bekannter Prognostiker hat den Schwellenmarkt-Crash von 2013 und den Rohstoff-Crash von 2014 vorhergesagt. 
Stattdessen haben sich die Börsianer Anfang des Jahres am "Chart of Doom" aufgegeilt, der angeblich zeigt, dass die Wall Street 2014 exakt den gleichen Rutsch erleben wird wie 1929.

Immer dann, wenn man sie braucht, scheint die Glaskugel kaputt zu sein

Sonntag, 30. November 2014

2015 bringt Geldregen für Aktionäre

Die Commerzbank gibt einen Ausblick auf die Dividendensaison 2015. Das kommende Jahr beschert Aktionären von Deutschlands Firmen demnach Rekord-Ausschüttungen. Nach den Berechnungen der Ökonomen werden die 30 Dax-Unternehmen ihre Anteilseigner mit insgesamt 30,2 Milliarden Euro beglücken. Das sind zwölf Prozent mehr als 2014.


Das kommende Jahr bringt einen Geldregen für Aktionäre: Zwölf Prozent mehr!
Quelle: Commerzbank


Nach Prognose der Commerzbank werden 18 Dax-Unternehmen ihre Dividende erhöhen, lediglich zwei werden sie senken. Die Ausschüttungsquote wird von 36,5 Prozent auf auf 38,6 Prozent steigen, was summa summarum zu dem zwölf-prozentigen Plus führt. 

Mit die deutlichste Erhöhung der Ausschüttungsquote gibt es bei der Allianz, die 2015 wohl auch den Dividendenkönig im Dax stellt: Der Versicherer habt den Anteil des ausgeschütteten Gewinns von 40 auf 50 Prozent an.

Bei einer aktuellen Marktkapitalisierung von rund einer Billion Euro bedeutet eine Ausschüttung von 30,2 eine Dividendenrendite von drei Prozent. Unternehmensanleihen mit BBB-Rating werfen im Moment lediglich 1,5 Prozent ab, deutsche Staatsanleihen (Bonitätsbestnote AAA) mit zehn Jahren Laufzeit weniger als 0,7 Prozent. 

Auch weltweit verspricht 2015 rekordträchtig zu werden. Die Fondsgesellschaft Henderson Global Investors erwartet einen Anstieg der globalen Dividendensumme auf 1,24 Billionen Dollar. In diesem Jahr waren es 1,19 Billionen Dollar

Freitag, 28. November 2014

Japans Wirtschaft im Krebsgang

Japan hat ein Problem mit der Demographie. Aber die schrumpfende Erwerbsbevölkerung ist nicht das einzige, was die japanische Wirtschaft bremst. Das Hoffen darauf, dass steigende Produktivität den Rückgang der Arbeitskräfte ausgleichen könnte, scheint verfehlt.

In den vergangenen 25 Jahren stieg die Produktivität längst nicht schnell genug, um die Effekte der Alterung aufzufangen. Wie ein Blick auf die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) pro Kopf verdeutlicht:


Quelle: IWF World Economic Outlook Oktober 2014
Gross domestic product per capita in current prices and national currency

Bezogen auf den einzelnen Japaner ist die Wirtschaftskraft in Landeswährung seit 1990 um magere sechs Prozent gewachsen. Nicht pro Jahr wohlgemerkt, sondern in dem gesamten Zeitraum! In den Vereinigten Staaten lag die BIP-Steigerung pro Kopf in diesem Vierteljahrhundert bei 124 Prozent, in Deutschland bei 118 Prozent.

Verblüffend übrigens, dass keine etablierte Industrienation ein so starkes Pro-Kopf-Wachstum hatte wie Großbritannien. Die hohen deutschen Zahlen relativieren sich dadurch etwas, dass es in den Neuen Bundesländern ein hohes Aufholpotenzial zum westlichen Standard gab.

Für Japan ist die Entwicklung selbst dann kaum ermutigender, wenn man die starke Yen-Aufwertung seit Anfang der Neunzigerjahre (also die Kaufkraftstärkung der Einwohner auf dem Weltmarkt) einkalkuliert. In Dollar gerechnet bleibt das Wachstum pro Kopf deutlich hinter dem anderer Industriestaaten zurück.


Quelle: IWF World Economic Outlook Oktober 2014

Unter dem Strich bedeutet das, dass auf jedem Japaner eine immer größere Schuldenbürde lastet. Die ökonomische Dynamik scheint bei weitem nicht groß genug, um den immer gewaltigeren Berg von Verbindlichkeiten durch Wachstum undoder Inflation abzutragen.


Japan hat die höchste Pro-Kopf-Staatsverschuldung der Welt
Quelle: IWF

Seit 1980 hat sich die Pro-Kopf-Verschuldung allein über die staatlichen Verbindlichkeiten von gut einer Million Yen auf jetzt nahezu zehn Millionen Yen erhöht. Keine guten Aussichten für ein Land, dessen Einwohnerzahl sinkt, ohne dass eine steigende Produktivität den Verlust an Arbeitskräften ausgleichen könnte



Quelle: IWF


Angesichts dieser Zahlen scheint die Monetisierung der Schulden (also der Aufkauf von Staatstiteln durch die Notenbank) die am wenigsten schmerzliche Lösung zu sein


USA dominieren Rangliste der größten Unternehmen

Apple, der Megakonzern des 21. Jahrhunderts, überragt sie alle. Rund 700 Milliarden Dollar ist der iPhone-Hersteller am Aktienmarkt wert, mehr als sämtliche russischen Aktiengesellschaften zusammen.

Doch auch die restliche Rangliste der größten Börsenkonzerne spricht amerikanisches Englisch, mit einer einzigen Ausnahme: Der chinesische Internethändler Alibaba schafft es mit derzeit 278 Milliarden Dollar Börsenwert auf Rang acht der Top-10.


Quelle: Bloomberg, Stand Ende November 2014

Europäer sind unter den zehn größten Unternehmen der Welt nicht mehr vertreten. Auf Platz elf und zwölf rangieren mit Novartis und Roche zwei Gesellschaften aus der Schweiz.

Erst auf Rang 21 findet sich schließlich die marktschwerste Firma aus der Europäischen Union: die britisch-niederländische Royal Dutch Shell, Öl und Gas, mit einem Börsenwert von 215 Milliarden Dollar.

Größte deutsche Aktiengesellschaft ist die Chemie- und Pharmafirma Bayer mit umgerechnet 124 Milliarden Dollar Kapitalisierung. Bayer belegt aktuell Position 54 der Weltrangliste.

Die drei US-Technologiekonzerne - Apple, Microsoft und Google - unter den Top-5 erinnern uns daran, wie sehr die digitale Lebenswelt durch Innovationen made in USA bestimmt ist

Donnerstag, 27. November 2014

Warum Reformen machen ...

... als Staat, wenn Notenbankgeld so billig ist, und - das wollen wir nicht vergessen - so viele deutsche Lebensversicherte froh drüber sind, ein paar Renditepunkte mehr auf ihre Police gutgeschrieben zu bekommen?

Da liegt die Versuchung für die Versicherungsgesellschaften nah, so lange französische Staatsanleihen zu kaufen, wie deren Zins sich noch nicht dem Niveau von Bundesanleihen angeglichen hat. Im Moment sind es immerhin 0,30 Prozentpunkte mehr.

Liebe Franzosen, herzlich willkommen im Club der Superbilligverschulder!


Rendite der französischen Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit erstmals unter ein Prozent
Quelle: Bloomberg

Mittwoch, 26. November 2014

Wer ist der größte Währungsmanipulator der Welt?

Nicht der, den man im Sinn hat. Gemessen an der Größe der eigenen Volkswirtschaft greift keiner so sehr am Devisen- und Finanzmarkt ein wie die Schweiz.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat ihre Bilanzsumme durch die sukzessive Interventionen auf 523 Milliarden Franken aufgebläht, das entspricht 84 Prozent des eidgenössischen Bruttoinlandsprodukts.  


Quelle: Bloomberg, eigene Recherche


Im Vergleich mit der SNB wirkt die EZB fast wie ein Währungskriegsverweigerer. Das Volumen ihrer Bilanzsumme entspricht gerade mal einem Fünftel des Euroland-BIP. 

Zweitgrößter Devisenmanipulateur sind die Chinesen, gefolgt von den Japanern, die allerdings stark aufholen.

Zur Ehrenrettung der Eidgenossen muss gesagt werden, dass auch so kaum eine Währung so sehr überbewertet ist wie der Schweizerfranken. Laut Big Mac Index des "Economist" ist der Franken zum Dollar um 43 Prozent zu teuer

Dienstag, 25. November 2014

Gold geht 2015 Richung 1000 Dollar, sagen die Banken

Der vermeintliche Goldhunger des "antiamerikanischen Lagers" wird nicht reichen, um gegen US-Geldpolitik und Dollar-Dominanz anzugehen, schreiben die Ökonomen die Helaba und sagen für Mitte 2015 einen Unzenpreis von 1050 Dollar voraus. Die vorherige Prognose lag bei 1200 Dollar. 


Goldpreis in Dollar je Feinunze seit 2009
Quelle: Bloomberg


Vor wenigen Wochen hatte ABN sich an die Spitze der Gold-Pessimisten gesetzt. Die Niederländer warnen Anleger, der Kurs könne nächstes Jahr auf 800 Dollar einbrechen 

Montag, 24. November 2014

Wer diese Kurve sieht, kommt ins Grübeln ...

... ob die niedrigen Zinsen wirklich nur eine Folge der EZB-Politik sind. In Deutschland befindet sich die Realrendite schon seit Mitte der Neunzigerjahre auf dem Rückzug, lange vor Mario Draghi.


Realrendite in Deutschland. Nach Abzug der Inflation blieb in den Neunzigern oft noch drei Prozent übrig, heute ... nichts
Quelle: Bloomberg, Statistisches Bundesamt, eigene Recherche


Eine Erklärung ist wohl die demografische Entwicklung: Ältere Menschen fragen mehr Sicherheit und Verlässlichkeit nach, also genau das, was Bundesanleihen und andere Schuldtitel der Staates bieten. Diese Nachfrage treibt die Rentenkurse und lässt die Rendite den Abflug machen.

Ein anderer Faktor dürfe der globale "Währungskrieg" sein: Bundesanleihen sind als die sichersten liquiden Euro-Papiere ein begehrtes Kaufobjekt für alle möglichen Staaten, die den Wechselkurs ihrer Heimatwährung zum Euro drücken wollen.

So sollten die deutschen Sparer den "Zinsklau" nicht zu sehr einem einzigen Menschen, nämlich Mario Draghi zuschreiben, auch wenn der ein paar Jahre lang bei Goldman Sachs gearbeitet hat. Manche Mächte sind eben noch mächtiger als die Notenbank.

Und dazu gehört die unsichtbare Macht der Demografie


Gold beißt Aktie - nicht wirklich

Gold und Aktien sind wie Katz' und Maus. Von wegen!

Investments in Gold und Aktien schließen sich nicht aus. Mit beiden Anlagen waren langfristig gute Erträge zu erzielen. Welches Investment die Nase vor hat, hängt vom Einstiegszeitpunkt ab, wobei tendenziell Aktien (als Produktivkapital) die bessere Wahl waren.


Die Veränderung von Dow Jones Industrial (rot) und Goldpreis (blau) in Prozent seit den Siebzigern. Häufig entwickeln sich beide in die gleiche Richtung, vor allem seit der Jahrtausendwende
Quelle: Bloomberg, eigene Recherche


Wer 1971, beim Ende des Festwechselkurssystems von Bretton Woods in weiser Voraussicht Gold kaufte, konnte rechnerisch einen Ertrag von acht Prozent jährlichen erzielen, mit dem Dow Jones waren sieben Prozent möglich, allerdings - und das ist eine wichtige Einschränkung - ohne Dividenden.

Wer zwei Dekaden später, im Jahr 1991, einstieg, fuhr mit Aktien besser als mit Gold, konnte aber auch mit den gelben Metall eine ordentliche Rendite von fünf Prozent machen, worüber sich in den Zeiten des Nullzins heute wohl niemand beschweren wird.


Das zurückliegende Vierteljahrhundert war für Aktien-Investoren eine fulminante Zeit: Mehr als zehn Prozent warfen die Papiere des US-Leitindex Dow Jones ab, fast doppelt so viel wie Gold - Transaktionskosten außen vor gelassen
Quelle: Bloomberg


Was die Daten ebenfalls zeigen: Gold-Anleger müssen immer wieder lange Durststrecken ertragen, und wenn ich schreibe lange, meine ich: lange. Zwischen 1991 und 2003 rührte sich der Unzenpreis nicht von der Stelle. Inflationsbereinigt bescherte Gold seinen Fans in der Zeit ein fettes Minus.

Allgemein aber gilt: Aktien und Gold sind nicht wie Katz' und Maus, eher wie Hund und Katz' ... Sie jagen sich und sie vertragen sich


Sonntag, 23. November 2014

Korrelationen, die kaum mehr sind als Klischees

Im Fernsehen läuft derzeit eine Werbung für einen Anbieter von Finanzwetten: Wenn der Dow Jones fällt, steigt der Goldpreis, heißt es da ... und mit dem Wissen könne man gleichsam Geld nebenher machen. So einfach ist das. Und so falsch. Das Edelmetall verteuert sich keineswegs immer, wenn Aktien in den Keller gehen.

Bei näherem Hinsehen zeigt sich vielmehr: Gold und Börse ignorieren sich meist, sie entwickeln sich nahezu unabhängig voneinander. Wie aus einer Analyse der Kursbewegungen über viele Jahre hinweg hervorgeht.

Die Korrelation zwischen Dow Jones und dem Unzenpreis lag zwischen dem Jahr 2000 und heute bei -0,02 und damit bei nahe null. Kein Zusammenhang. Niente. Nada. Nix.

Für den Dax und Gold gilt: das gleiche.

Nach der Finanzkrise ist die Korrelation sogar leicht, wenngleich kaum merklich ins Positive gedreht.
Will sagen: Wenn überhaupt, gibt es eine minimale Tendenz, dass sich auch das Edelmetall verteuert, wenn Aktien teurer werden, Beide Neigungen sind jedoch so gering, dass sich schwerlich eine Handelsstrategie darauf aufbauen lässt.

Zur Einordnung: Die Korrelation zwischen dem Dax und dem Bund-Future liegt bei -0,4. Anleihen des Bundes haben eine ausgeprägte Tendenz zu jubilieren, wenn Dax-Titel den Blues bekommen - und umgekehrt.

Einen hohen Gleichlauf mit dem Index weisen dagegen BASF-Aktien auf, mit einem positiven Wert von rund 0,8. Der Börsenkurs des Chemiekonzerns strebt also fast immer in die gleiche Richtung wie der Dax.


Es ist nahezu unmöglich, sein Aktienportfolio mit Silber abzusichern
Quelle: Bloomberg, eigene Recherche


Ironischerweise gibt es auch eine positive Korrelation zwischen dem Dax und dem Silberpreis (der Wert liegt immerhin bei rund 0,2). Das heißt: Das vermeintliche Krisenmetall, mit dem sich viele Unbedarfte eindecken, um gegen den großen Crash gewappnet zu sein, läuft meist in die gleiche Richtung wie der Aktienmarkt.

Steigt der Dax, steigt oft auch Silber. Fällt der Dax, fällt oft auch Bruder Fahl. Was logisch ist, wenn man sich überlegt, dass das Weißmetall als Industrierohstoff ebenso an der Weltkonjunktur hängt wie das Geschäft der meisten Dax-Unternehmen

Freitag, 21. November 2014

Zweimal die ganze halbe Wahrheit über die Börsenrallye

Der Dow Jones Industrial - für viele der Weltleitindex der Börsen - hat heute ein neues Rekordhoch markiert. Befinden sich Aktien damit in einem Spekulationsblase?

Dieser Chart scheint das nahe zu legen. Das Signal: Alarm, es geht viel zu schnell. Crash-Gefahr!


Quelle: Bloomberg


Dieser Chart hingegen sagt: Entspann dich, alles noch im Rahmen. Gestiegen heißt nicht verstiegen.


Quelle: Bloomberg


Beide Charts zeigen den Dow Jones Industrial Index seit dem Jahr 1984, der erste in normaler, der zweite in logarithmischer Darstellung: Ein 1000-Punkte-Anstieg von 10.000 auf 11.000 Punkte sieht auf dem logarithmischen Chart genauso steil aus wie ein Anstieg um 100 Punkte von 1000 auf 1100 Punkte. Da wirkt die jüngste Rallye gar nicht mehr so frenetisch.

So viel zum Thema "Immer schön bei der Wahrheit bleiben". Welcher Graph wäre denn nun der, der vom wahren Zustand des US-Aktienmarkt kündet?

Sind Banker schlechtere Menschen?

Banker neigen in ihrem Beruf eher zum Lügen und Tricksen als andere Berufstätige. Das behaupten Forscher der Universität Zürich auf Basis eines interessanten psychologischen Experiments, über das die "Welt" berichtet.

In dem Test konfrontierten die Wissenschaftler Probanden aus verschiedenen Berufsgruppen mit Aufgaben, die ihnen die Wahl zwischen ethischen und weniger ethischen Entscheidungen ließen.

Durch kleine Betrügereien konnten die Probanden mehr "Geld" einheimsen und den Test damit im Vergleich mit anderen erfolgreicher abschließen als durch ehrliches Verhalten. Betrügen wurde also belohnt.

Trotz dieser Anreize zeigten andere Berufstätige, zum Beispiel aus der Gesundheits- oder Telekommunikationsbranche nach Aussage der Wissenschaftler keine erhöhte Tendenz zum Lügen und Tricksen, Banker sehr wohl.

Jedoch konnten die Forscher durch einen Trick ausschließen, dass die Banker per se unmoralische Menschen sind, dass also von vornherein nur Schurken in der Geldbranche gehen.

Im Test unterschied sich das Vorgehen der Banker deutlich, je nachdem ob sie durch scheinbar beiläufige Vorfragen (Priming) in private oder berufliche Verhaltensmuster versetzt wurden.
Agierten sie als Privatpersonen, waren sie nicht unmoralischer als andere.

Als Erklärung für das unethische Verhalten der Banker vermuten die Wissenschaftler die geld- und profitgetriebene Firmenkultur in der Finanzbranche.

Ein Mitautor der Studie regte an, Bankangestellte sollten sich künftig qua Berufseid zu moralischem Verhalten verpflichten, "ähnlich dem hippokratischen Eid für Ärzte". Ob das hilft?

Donnerstag, 20. November 2014

Russlands verwundete Ökonomie

Russlands verwundete Ökonomie ist das Titelthema des "Economist" von dieser Woche. Schon jetzt sind die Zeichen dieser Verwundung nicht mehr zu übersehen. Sie rührt nicht nur aus dem Ringen mit dem Westen um die Ukraine, sondern auch aus unterlassener Selbstpflege.

In den vergangenen anderthalb Jahrzehnten gehörte Russland zu den wachstumsstärksten Ländern der Welt. Die Wirtschaft des Bären expandierte zwischen 1998 (dem Jahr des Staatsbankrotts) und 2013 um fünf Prozent pro Jahr, den fast achtprozentigen Einbruch das Jahres 2009 eingerechnet. Alles in allem hat sich das russische Bruttoinlandsprodukt seit dem Tief vor der Jahrtausendwende verzehnfacht.

Die Zeiten solcher Wachstumsraten sind vorbei. Schon 2013 ist der Zuwachs auf 1,3 Prozent gefallen, kein berauschender Wert für einen Emerging Market, der zumindest potenziell enormes Nachholbedarf hat. Dieses Jahr dürfte die russische Ökonomie allenfalls stagnieren, und für 2015 sagen die meisten Prognostiker gar einen Rückgang um 0,5 Prozent voraus.


Quelle: The Economist


Wirtschaft ist nicht alles, aber wenn ein großes Schwellenland als Wachstumstreiber ausfällt und über geopolitische Konfrontationen zusätzliche Unsicherheit provoziert, bleibt das nicht ohne Auswirkungen auf die Weltkonjunktur und die Finanzmärkte

Bargeld abschaffen? Die Chance für Bitcoin!

Der US-Ökonom Kenneth Rogoff will unser Bargeld abschaffen. Federal Reserve, EZB und andere Zentralbanken könnten dann leichter negative Zinsen durchdrücken, um Verbraucher zum Konsum zu animieren. „Banknoten sind das entscheidende Hindernis, die Zentralbank-Zinsen weiter zu senken“, sagte der Harvard-Wissenschaftler auf einer Veranstaltung in München.

Die Beseitigung von Bargeld wäre eine sehr einfache und elegante Lösung für dieses Problem“, erklärte Rogoff, der für sein Buch "This time is different" über Finanzkrisen bekannt wurde. Außerdem hätten es Steuerflüchtlinge und Kriminelle ohne Bargeld schwerer.

Ich finde es fast schon amüsant, wie wenig marktwirtschaftlich Rogoff, immerhin Ex-Chefkökonom des Internationalen Währungsfonds, denkt. Offensichtlich gibt es in vielen Ländern - aus welchen Gründen auch immer - einen Bedarf an Geldscheinen und Münzen. Schafft man das Euro-Bargeld ab, suchen sich die Leute ein neues Bargeld, seien das Goldmünzen, Bitcoins oder irgendetwas anderes, was nicht auf einem klassischen Konto liegt.


Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff hat Ideen.
Quelle: IWF


Die Abschaffung von Banknoten könnte die Chance für Internet-Währungen sein. Wenn ich in der Branche tätig wäre, würde ich Bitcoin von heute an "digitales Bargeld" nennen ... und hätte ein viel größeres Publikum.

Staatsbürgerlich betrachtet würde der Verbot von Bargeld uns alle zu Zwangsgläubigern von Banken machen und den politisch-finanziellen Komplex stärken. Politisch äußerst bedenklich.

Bargeld ist ein Bürgerrecht